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Katamnesestudie
Entstehungsgeschichte und Intention
Was bedeutet Erfolg im Maßregelvollzug? Wie ergeht es den Patienten nach ihrer Entlassung? Wie ist das Ergebnis unserer Arbeit?
In den Diskussionen der forensischen Mitarbeiter ging und geht es immer wieder um diese Fragen. Die Gefahr, das eigene Tun als sinnlos zu bewerten, ist im forensischen Rahmen besonders groß, da meist nur Rückmeldungen über „Versager“ (also ehemalige Patienten, die rückfällig geworden sind und wieder eingewiesen werden) existieren. Auch der kritische Blick der Öffentlichkeit dient nicht dazu, Therapieoptimismus zu entwickeln und selbstbewusst an der Weiterentwicklung therapeutischer Konzepte zu arbeiten. Aber wissen wir denn, was tatsächlich aus den Patienten wird, die die Therapie erfolgreich abschließen und entlassen werden können? Dazu liegen wenig Informationen vor. Auch wir haben früher die Erfahrungen in der Behandlung der gemäß §§ 63 und 64 StGB untergebrachten Straftäter lediglich unsystematisch zusammengetragen und in das therapeutische Gesamtkonzept eingebunden. Diesem Defizit an fundierter Information versucht unsere Klinik nun durch das Regensburger Katamneseprojekt zu begegnen. Seit März 2001 werden forensische Patienten anhand ausgewählter Merkmale beschrieben, Therapieverläufe und ihre Einflussfaktoren werden analysiert und schließlich werden die Patientenrückmeldungen zu Therapie, subjektiver Veränderung bzw. Lebensqualität untersucht. Mit den Ergebnissen ist es möglich, die Ergebnisqualität unserer Arbeit statistisch zu erfassen und Wirkfaktoren für den Therapieerfolg zu identifizieren. Sowohl auf der Ebene der einzelnen Stationen als auch als Gesamtklinik haben wir so die Möglichkeit, unsere Behandlungskonzepte immer weiter zu überprüfen und zu verbessern.
Auch die ständige Verbesserung unserer Prognosegenauigkeit („Was passiert, wenn der Patient entlassen wird?“) erfordert, dass wir uns über den tatsächlichen Verlauf eines Patienten nach seiner Entlassung informieren.
Studiendesign
Mit Fragebögen und teilstandardisierten Interviews werden Informationen zur Vorgeschichte, zum Therapieverlauf und zur Zeit nach Entlassung aus dem Maßregelvollzug eingeholt. Die Informationen werden zum einen aus den vorliegenden Akten, zum anderen aus Gesprächen mit Bewährungshelfern und Nachsorgetherapeuten zusammengetragen. Darüber hinaus werden die Patienten direkt befragt. So können wir erfahren, welche Therapieteile von den Patienten als hilfreich erlebt werden, wie es ihnen nach der Entlassung „draußen“ erging und wie sie ihre aktuelle Lebenssituation bewerten. Die Patienten berichten uns dabei von ihren Problemen nach der Entlassung, sie haben aber zudem die Möglichkeit, Kritik und Verbesserungsvorschläge für unsere Arbeit zu formulieren.
Zum ersten Messzeitpunkt (bei Entlassung) werden alle Untergebrachten untersucht. Ein Jahr nach ihrer Entlassung werden sie erneut von unseren Mitarbeitern kontaktiert und - wenn möglich - zu Hause aufgesucht. Patienten die nach Paragraph 63 untergebracht waren, werden nach 3 und 5 jahren nochmals befragt. Gerade zur Einschätzung der Legalbewährung bietet dieses Vorgehen den Vorteil, dass auch nicht behördlich erfasstes, aber strafrechtlich relevantes Verhalten in die Studie eingeht. Informationen der beteiligten Nachsorgeinstitutionen runden das Bild ab bzw. werden im Sinne einer Objektivierung der Angaben eingesetzt. Die aufwändige Methode wird angewandt, um auch das Lebensumfeld des Probanden kennenzulernen. Zudem werden seit 2007 in regelmäßigen Abständen, Einträge ins Bundeszentralregister abgefragt und ausgewertet.
Zwischenergebnisse
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Die Arbeitsgruppe des Katamneseprojekts besteht aus:
- Frau Dr. phil. Dipl.-Psych. Adelheid Bezzel
- Herr Dipl.-Psych. Christian Hartl
- Herr Chefarzt Dr. Wolfgang Mache
- Herr Dipl. Soz.-Päd. (FH) Rolf Schlauderer
- Frau Dipl. Soz.-Päd. (FH) Sonja Artmann
- Frau Franziska Pauletz
Literaturliste zum Weiterlesen
Publikationen:
Bezzel A (2008) Therapie im Maßregelvollzug – und dann? Eine Verlaufsuntersuchung an forensischen Patienten (§§ 63 und 64 StGB). Dissertation: Universität Regensburg http://www.opus-bayern.de/uni-regensburg/volltexte/2009/1096/
Bezzel A (2009) Therapieabbruch im Maßregelvollzug (§ 64 StGB) – Charakteristika und Prädiktoren. Praxis der Rechtspsychologie 19 (1): 146-153
Bezzel A (2010) Können Patienten aus dem Maßregelvollzug (§ 64 StGB) resozialisiert werden? Die Regensburger Katamnesestudie. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie (4): 264-268
Bezzel A, Seifert A, Mache W (in Planung) Katamnesestudie über Straftäter nach § 64 StGB. In Müller J (Hrsg.) Gefängnispsychiatrie. Spezialisierte Therapieangebote im Maßregelvollzug. Kohlhammer: Stuttgart.
Hartl C (2010) Forensische Patienten lügen nicht! Wie glaubhaft sind die Aussagen entlassener Patienten? In Saimeh N (Hrsg.) Kriminalität als biografisches Scheitern. Psychiatrie-Verlag. Bonn.
Hartl C, Mache W, Bezzel A (2008) Rückfallfrei nach einem Jahr? Die Regensburger Katamnesestudie von 2001-2007. In Saimeh N (Hrsg.) Zukunftswerkstatt Maßregelvollzug. Psychiatrie-Verlag. Bonn
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