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Wer hätte das gedacht!

Die Corona-Pandemie ist schlimm. Daran gibt es nichts zu rütteln. Aber die eine oder andere Krisenmaßnahme hat Effekte, die überraschend positiv sein können. Eine persönliche Lockdown-Bilanz von medbo Mitarbeiterin Juliane Greiner-Adam.

Die erste Corona-Infektionswelle scheint vorüber zu sein und wir alle freuen uns über die ersten Lockerungen vom nunmehr fast zweimonatigen Lockdown. Egal in welcher Funktion – ob Mitarbeiter, Arbeitgeber, Eltern, Patienten, Angehöriger, einfach Privatmensch – jeder war auf seine Art angehalten, den Alltag umzustrukturieren, sich anzupassen an die aktuell geltenden Bestimmungen und daraus resultierende Entbehrungen in Kauf zu nehmen. Ich habe jetzt ein kurzes Resümee gezogen, mich vor allem mit Kolleginnen und Kollegen dazu ausgetauscht und festgestellt, dass sich tatsächlich auch ein paar positive Veränderungen eingestellt haben.

Endlich mal im Fokus: Ich

Zunächst hat das soziale „Herunterfahren“ dazu geführt, dass man sich intensiver mit den eigenen Bedürfnissen auseinandersetzen konnte. Die Konzentration liegt viel mehr im privaten Bereich – auf einem selbst, auf Dingen, die einem wichtig sind – oder eben nicht so arg vermisst werden. Der Lockdown gibt Zeit für reine Selbstfürsorge, für das, was im Hier und Jetzt begeistert. Der Spaziergang am Morgen am Waldrand, die warme Badewanne am Abend oder das Lieblingslokal, das mir ein Candlelight-Dinner daheim beschert.

Genauso gibt es Bewusstsein für den engeren Kreis: Familie, Freunde oder Bekannte, die in diesen Zeiten zu wichtigen Freunden geworden sind. Man hat die Möglichkeit, aus Mustern auszubrechen, umzudenken, notwendige Entscheidungen zügiger zu treffen oder auf nach „Corona“ zu vertragen.

Stärker werden – Unsicherheit aushalten lernen

Jeder kann stolz auf sich selbst sein! Man schafft es über einen gewissen Zeitraum, Ungewissheiten zu ertragen, Entscheidungen aus der Hand zu geben. Man ist bereit Sozialkontakte auch anders zu erleben. Wann hätte man sicher früher an eine Brieffreundschaft gewagt? Oder an gemeinsame, digitale Erlebnisse mit Freunden oder Verwandten?

Modernisierungsschub

Der Lockdown hat die Bereitschaft für digitale Angebote enorm erhöht. Homeoffice ist kein Phänomen mehr und Meetings werden per Videokonferenz gehalten, die vorher nur in Präsenz möglich erschienen. Sämtliche sozialen Kanäle werden intensiver genutzt, auch für den Austausch mit Freunden, Familie (auch Großeltern!), sogar mit der Schule der Kinder. eLearning-Angebote haben einen ganz anderen Stellenwert bekommen und haben quasi über Nacht an Akzeptanz gewonnen.

Was lange währt, wird endlich gut

Jeder hatte das Bedürfnis, Projekte anzugehen, die schon lang im Kopf umhergeschwirrt sind. Bei vielen näht die alte Nähmaschine wieder, der Heimarbeitsplatz wurde endlich vergrößert oder optimiert, um effektiver von zuhause arbeiten zu können. Und wahrscheinlich wurden in jedem Haushalt Möbel gerückt und das Leben sowie der Haushalt etwas „entrümpelt“.

Aussprechen statt Aussitzen

Familien, Mütter, Väter sind ohne Zweifel an ihre Grenzen gestoßen. Doch gibt es die Chance für mehr Austausch, offenere Kommunikation über die Gefühle eines Einzelnen (wenn auch manchmal etwas lauter) und Transparenz. Vielleicht hat der Lockdown viele von uns auch daran gehindert, Alltagszwänge vorzuschieben, um unangenehmen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen.

Mein Schulkind

Eltern haben deutlich mehr Einblick in das schulische Geschehen gewinnen können, über den Leistungsstand des Kindes und das, was vielleicht noch Probleme bereitet. Man kann erkennen, was das Kind schon gut beherrscht und wo man noch nachhelfen muss. Das schafft wiederum Vertrauen und Zutrauen zwischen Eltern und Kindern. Und umgekehrt: Kinder können besser verstehen, was die Arbeit der Eltern genau ist und ihnen bedeutet – und ja: auch wie viel Zeit dafür draufgeht.

Mehr Natur

Man denkt deutlich ökologischer. Was benötige ich wirklich und ist lebensnotwendig für mich? Der Konsum war deutlich eingeschränkt und jeder kam trotzdem damit aus. Alle sind weniger mit dem Auto unterwegs – da freut sich die CO²-Bilanz. Und genau mit diesen Themen setzen wir uns – erfreulicherweise – sehr viel mehr auseinander, so auch mit Gesundheits- und Bildungspolitik.

Nicht mehr zurück auf „Los“!

Und das Naheliegendste: Was freuen wir uns alle auf den Alltag! Warum habe ich über dieses und jenes früher so gemotzt? Man weiß Familie, Freunde und die Gesundheit aller wieder viel mehr zu schätzen. Der Freizeitstress hat sich deutlich reduziert und man hat die Pausen für sich mittlerweile fest in den Alltag integriert – man holt bewusster Luft. Und genau das sollten wir für „nach Corona“ auch mitnehmen!

 


Bildnachweis: fotolia 10008581

 

 


 

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