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Infektionsradar

Noch gibt es kein wirksames Medikament und keine Impfung gegen das neuartige Virus SARS-CoV-2. Aber es gibt die neue Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts und der Bundesregierung. Eine gute Sache!

Seit dem 16. Juni ist der Corona-Katastrophenfall in Bayern zurückgenommen. Gemeinsam mit den schrittweisen Lockerungen für das öffentliche und private Leben kommt da bei vielen Menschen das Gefühl auf, dass jetzt alles bald wieder normal läuft und man ab sofort in allen Lebenslagen „business as usual“ hat.

Doch die Rücknahme des Katastrophenfalls hat eine andere Bedeutung: Es geht um die Bewertung der Frage, ob das Pandemie- beziehungsweise das regionale Epidemiegeschehen derzeit mit anderen Mitteln beherrschbar ist. Die Rücknahme des Katastrophenfalls in Bayern bedeutet somit keineswegs, dass die Corona-Epidemie überstanden wäre. Und hier kommt die neue Corona-Warn-App ins Spiel …

Erinnern wir uns …

Im Februar kam das Corona-Virus erstmals zu uns nach Bayern (und nach Deutschland). Bei einem Starnberger Unternehmen hatte es eine Mitarbeiterin aus China „importiert“. Etwa ein Dutzend Arbeitskollegen wurden infiziert. Die Erkrankten und ihre Kontaktpersonen wurden rasch ermittelt und alle unter Quarantäne gestellt. Binnen weniger Wochen war das lokale Corona-Ereignis eingedämmt und ausgestanden.

Als der Bundes- und den Landesregierungen Ende Februar/Anfang März klarwurde, dass mit den Super-Spreader-Ereignissen wie Ischgl in Österreich oder Mitterteich in der Oberpfalz unserem Gesundheitssystem eine Schwemme an infizierten Menschen mit schweren Symptomen bevorstand, musste gehandelt werden. Bayerns Staatsregierung rief den Katastrophenfall aus, um die Corona-Krise zentral managen zu können: Die Versorgung von Erkrankten musste organisiert, Engpässe überwunden, ein Corona-Meldewesen eingerichtet, Prioritäten gesetzt sowie mit nationalen und internationalen Partnern interagiert werden.

Der Katastrophenfall kann aber von Rechts wegen nur ein sachlich und zeitlich begrenztes, äußerstes Instrument der Behörden sein.

Das hat der Lockdown gebracht

Mit den umfassenden Lockdown-Maßnahmen und wochenlanger Disziplin ist es uns allen gelungen, wieder einen Infektionsstatus à la „Starnberg“ zu erreichen: In ganz Deutschland gibt es weiterhin zwar Corona-Infektionen zu verzeichnen, teilweise in erheblichem Ausmaß. Aber diese Ereignisse sind räumlich begrenzt. Strengere Infektionsschutz- oder -bekämpfungsmaßnahmen müssen, wenn überhaupt, nur noch lokal/regional ausgesprochen werden. Und so soll es im besten Fall bleiben, bis Corona medizinisch beherrschbar oder einfach vorüber ist. Eine zweite Corona-Welle fürchten wir alle!

Mehr Eigenverantwortung, weniger Regeln

Mit mehr Bewegungsfreiheit treffen wir jetzt wieder auf mehr Menschen. Die neue Corona-Warn-App ist ein Frühwarnsystem, das helfen soll, Infektionsketten schnell zu unterbrechen. Voraussetzung ist, dass die App von möglichst vielen Menschen genutzt wird und die Nutzer ihren jeweiligen Infektionsstatus aktuell halten. Die Nutzung ist vollkommen freiwillig, der Download der App in den üblichen App-Stores ist kostenfrei.

Durch die Warnfunktion wird der Smartphonenutzer handlungsfähiger, kann sich testen lassen, sich selbst isolieren und so seinerseits eine Weitergabe des Virus unterbinden. Oder er kann einfach beruhigt sein, wenn sein Handy still bleibt. Sein Smartphone gibt übrigens keine Meldung an Dritte, etwa an Gesundheitsbehörden!

Absolute Diskretion

Die App funktioniert über Bluetooth. Das ist ein Funkstandard, der nur über kurze Distanzen – ein paar Meter – reicht. Begegnen sich zwei Smartphones, auf denen die App installiert ist, genügend lang, so tauschen sie einen Zufallscode aus, der aber keine Rückschlüsse auf Handynummer, Handybesitzer oder Standort zulässt. Die Geräte speichern die Zufallscodes ihrer „Zufallsbegegnungen“ für 14 Tage. Wird in diesem Zeitraum auf einem der Geräte in der App eine Infektion eingetragen, werden alle anderen Smartphones informiert, mit denen das betroffene Smartphone relevanten Bluetooth-Kontakt hatte. Das System funktioniert also nicht in Echtzeit: Wenn ein Smartphone Bluetooth-Kontakt zu einem „Infizierten“ hat, fängt es nicht zu bimmeln an!

Bislang müssen die Nutzer ihren Infektionsstatus selbst aktiv eintragen. Auf lange Sicht ist geplant, dass dies automatisch geschieht, wenn durch einen Arzt oder durch die Gesundheitsbehörden eine Infektion festgestellt wurde.

Von wem stammt die App?

Herausgeber der App ist das Robert-Koch-Institut, die wichtigste Behörde der Bundesregierung im Bereich Infektiologie. Entwickelt wurde sie von der Deutschen Telekom und der Softwarefirma SAP. Der Quelltext der Programmierer wurde in einem offenen Verfahren allen Interessierten zur Prüfung und Kommentierung zur Verfügung gestellt. Sogar der Chaos-Computer-Club gab grünes Licht. Viele weitere wissenschaftliche Institute, aber auch Sicherheitsbehörden wie das Bundesamt für Datensicherheit und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz waren an der Entstehung der Corona-Warn-App beteiligt.

Was hält die medbo von der neuen App?

Wir wissen noch nicht viel über das Corona-Virus und die Erkrankung Covid19. Aber wir wissen, dass Zeit ein wichtiger Faktor ist. Je früher eine mögliche Infektion entdeckt wird, umso besser. Auch wir bei der medbo versorgen Menschen, bei denen SARS-CoV-2 positiv nachgewiesen wurde. Unsere Kapazitäten sind aber auch begrenzt. Bei der ersten Corona-Welle haben wir aufgrund der Vielzahl der Fälle oft am eigenen Limit gearbeitet. Die Ansteckungsgefahr hat auch nicht vor unserem medizinischen Personal Halt gemacht. Insofern denken wir: Alles was hilft, Infektionsketten zügig zu unterbrechen, hilft deswegen gerade auch uns medizinischen Versorgern. Aber die Entscheidung für die App ist und bleibt eine ganz persönliche.

Mehr Infos rund um die Corona-Warn-App gibt es hier

 

Bildnachweis: Creativeeye99

 

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