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20 Jahre Neuro-Reha am Bezirksklinikum

Seit 1995 wird hier Patienten mit Schlaganfällen und Schädel-Hirn-Verletzungen Hoffnung gegeben

 

Mit einem Symposium feierte die medbo das 20-jährige Bestehen der Klinik für neurologischen Rehabilitation am Bezirksklinikum Regensburg. In der Neuro-Reha werden Menschen mit allen Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, z. B. Patienten nach Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Verletzungen oder Mangeldurchblutung des Gehirns behandelt. Die Neurologische Rehabilitation am Bezirksklinikum besteht aus verschiedenen Einrichtungen: einer Klinik mit 90 Betten, eine Tagesklinik mit zehn Plätzen, einer Ambulanz mit 20 Plätzen, einem Pflegeheim mit 20 Plätzen und einem neurologischen Nachsorgezentrum mit 20 Plätzen.

„Am 1. März 1995 wurde als Übergangslösung eine Frührehabilitations-Abteilung mit 15 Betten in einem bestehenden Krankengebäude eröffnet. Die sollten den dringlichsten Bedarf abdecken“, beschrieb Bezirkstagspräsident Franz Löffler die Anfänge der Neuro-Reha in Regensburg. Zwei Jahre später war der Neubau fertig und die neue Klinik eröffnet. Die Gesamtkosten betrugen rund 65 Mio. DM, die Förderung betrug 10 Mio. DM, den Rest finanzierte das Bezirksklinikum vor.

Im Lauf der Jahre kamen weitere Anbauten und Einrichtungen wie die Intensivstation (2005) oder das Neurologische Nachsorgezentrum (2008) hinzu. Damit bietet die Klinik die Behandlungsphasen A bis F ¬- eine einzigartige Situation in Bayern.

An die Anfänge erinnerte Vorstand Kurt Häupl, der bereits bei den ersten Diskussionen und Planungen dabei war. „Dass es ein Erfolg wird, hatte jeder vor 20 Jahren gehofft, aber es konnte keiner ahnen. Was Neuro-Reha bedeutet, war in unserer Region so gut wie unbekannt. Als wir uns das erste Mal mit dem Thema auseinandergesetzt hatten, gab es nur wenige Einrichtungen im In- und Ausland, die sich mit neurologischer Rehabilitation beschäftigten“ erklärte Häupl.

Die Überlebenschancen für Schlaganfallpatienten und Unfallopfer stiegt in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch die schnellen Rettungswege und moderne Medizin rasant und dadurch wurde Rehabilitation notwendig.

Der ärztliche Direktor Dr. Gerhard Weber, der die Klinik der Neurologischen Rehabilitation seit ihrer Gründung leitet, ging in seinem Grußwort auf die medizinische Entwicklung zwischen der Anfangszeit und der Gegenwart ein.

Mit der damaligen Sozialministerin und heutigen Landtagspräsidentin Barbara Stamm hatte die Neuro-Reha in Regensburg eine starke Fürsprecherin. Das Thema Gesundheit hat sie sich nach wie vor auf die Fahnen geschrieben. „Den Förderetat im laufenden Doppelhaushalt konnten wir auf dem Niveau von 500 Millionen Euro halten. Dadurch wird ein Gesamtfördervolumen von zwei Milliarden Euro für mehr als 100 Vorhaben zur Verfügung stehen. Ich denke, das zeigt, dass wir eine leistungsfähige medizinische Versorgung in allen Landesteilen erhalten wollen“, sagte Stamm.

Zusammenfassung der Vorträge

Im Anschluss an den Festakt erörterte Prof. Dr. Wolfgang Fries, Neurologe aus München, die neuen Perspektiven für eine Rehabilitation zur Teilhabe. Mit der Verabschiedung des SGB IX wurde die ICF (International Classification of Functioning, disability and Health) in die Rehabilitation eingeführt und damit ein grundlegender Paradigmenwechsel eingeleitet. Ziel aller rehabilitativen Maßnahmen sei jetzt die Förderung und Verbesserung der Teilhabe behinderter oder von Behinderung bedrohter Menschen. Als Klassifikationssystem erlaube die ICF, die funktionale Gesundheit eines Menschen in allen Komponenten, nämlich Körperfunktionen und Körperstrukturen, Aktivitäten, Teilhabe und Kontextfaktoren zu beschreiben.

 Fries‘ Beitrag erläuterte die Struktur der ICF und untersuchte die komplexen Zusammenhänge und inneren Abhängigkeiten ihrer Komponenten. „Daraus lassen sich Maßgaben ableiten, um teilhabebezogene Therapieziele zu formulieren“, sagte Fries. Die komplexen Anforderungen, diese in die klinische Praxis umzusetzen, werden diskutiert.

Der Vortrag von Susanna Freivogel, Dozentin an der Universität Konstanz, fokussierte auf die Frage, wann motorische Rehabilitation erfolgreich ist und diskutierte vor diesem Hintergrund die Grundannahmen therapeutischer Konzepte und zeigte deren Veränderung der letzten Jahre auf. Vorgestellt wurden nicht nur die Unterschiede in der therapeutischen Praxis, sondern auch Befunde aus der Neurophysiologie, zum motorischen Lernen und Wirksamkeitsstudien, die eine Veränderung in der therapeutischen Vorgehensweise bewirkt haben.

Über die humanistische Führung in der Klinik sprach Prof. Dr. Peter Fischer von der Universität Regensburg. Die Erkenntnisse der modernen evidenzbasierten Psychologie können betriebswirtschaftlich bedeutend in Organisationen eingesetzt werden. Die wichtigste wissenschaftliche und praktische Frage sei dabei, was "gute" und "schlechte" Führung ist, denn mit der menschlichen und fachlichen Kompetenz einer Führungskraft stehe und fiele der wirtschaftliche Erfolg einer Organisation.

„Gerade im Klinikkontext mit seinen vielen menschlichen, sozialen, strukturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen bedarf es besonders exzellenter Führungskräfte, die auf Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der psychologischen Führungsforschung ihr Führungsverhalten ausrichten“, so Fischer.