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Aggression und Gewalt

Fachbereichsübergreifende Tagung am Bezirksklinikum Wöllershof

Die Fachtagung „Aggression und Gewalt: Entwicklung, Abweichung und Integration“, zu der Dr. Christian Rexroth, Chefarzt der medbo Kinder- und Jugendpsychiatrie, und Dr. Markus Wittmann, Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof, eingeladen hatten, brachte verschiedene medizinische und wissenschaftliche Disziplinen an einen Tisch.

Die meisten Formen von Gewalt basieren auf entgleister Aggression. Ein logischer Rückschluss lautet daher: Die menschliche Aggression rechtzeitig in den Griff zu bekommen, ist der Kern gewaltpräventiver Ansätze.

Aggression: Ein leidenschaftliches Gefühl

Dr. Christian Rexroth erklärte, dass bei Kleinkindern Zerstörungs- und Angriffslust der erste wortlose Ausdruck einer Selbstbehauptung nach dem Motto „Ich bin hier und ich bin etwas in dieser Welt!“ darstellen. „Und hier begreifen wir: Aggression gehört zum Entwicklungsprozess“, so der Kinder- und Jugendpsychiater. Die Eltern sollten sich nicht von dem Verhalten der Kinder provozieren lassen und ihnen klare Grenzen aufzeichnen.

Was ist Gewalt?

„Unter optimalen Bedingungen lernen wir sehr früh, aggressives Verhalten zu steuern. Wenn nicht, kommt unsere Balance zwischen Trieb und Triebkontrolle aus dem Lot“, schloss sich Dr. Markus Wittmann an. Aggressivität sei angeboren, aber ihre Steuerung und Kontrolle sei erlernt. Gewalt hingegen sei eine soziale Konstruktion, die legitim aber auch illegitim sein kann.

Der Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth vom Institut für Hirnforschung der Universität Bremen erklärte, über welche biologischen und soziologischen Mechanismen Aggression und Gewaltneigung innerhalb von Familien weitergegeben werden. Besondere Bedeutung komme hier nicht zuletzt der werdenden und der jungen Mutter zu, sofern diese selbst psychisch belastet sind.

Gender-Studies

Prof. Dr. Joachim Kersten von der Deutschen Hochschule für Polizei in Münster stellte fest, dass zu Gewalt neigende Männlichkeit sich kulturell neue Symbolik, Initiationsriten und „Beweise“ zugelegt habe.

Prof. Dr. Monika Schröttle, Rehabilitationswissenschaftlerin an der TU Dortmund, lieferte empirische Fakten zur Gewalterfahrung von Frauen. Laut der WHO sei Gewalt immer noch das höchste Gesundheitsrisiko für Mädchen überhaupt.

Ihr Fazit: Ungleiche Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern seien die Hauptursache für Gewalt gegen Frauen. Gleichzeitig sei Gewalt gegen Frauen der zentrale Hinderungsgrund für die Gleichstellung auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Und mit der Traumatisierung von Frauen beginnt der „Teufelskreis von entgleister Aggressivität“ wieder bei den Kindern.