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Angst im Urlaub

FOCUS-Top-100-Mediziner Prof. Dr. Rainer Rupprecht im Gespräch

Interview mit dem von FOCUS ausgezeichneten Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Dr. Rainer Rupprecht, Chefarzt am medbo-Bezirksklinikum Regensburg, zum Thema Angst im Urlaub. Der renommierte Experte und richtungsweisende Forscher im Bereich der Behandlung von Angst und Angstzuständen äußert sich zu Flugangst, Höhenangst beim Bergwandern, Klaustrophobie in Tunneln und weitere Situationen der Angst.

 

Wenn die schönsten Wochen im Jahr beginnen sind sie für viele Urlauber auch mit Ängsten verbunden. Viele haben schweißnasse Hände im Flugzeug und auch das Auto bietet keine Alternative, da kilometerlange Fahrten durch Tunnel auch bei so manchen Beklemmungen auslösen. Gibt es ein Patentrezept für alle Sorten der Angst?

Prof. Dr. Rupprecht: Angst ist dann krankhaft, wenn das Ausmaß und die Dauer der Angst zur Situation nicht mehr passt und der Patient oder dessen Umfeld dadurch in seiner Lebensführung unangemessen beeinträchtigt wird. Beinahe ein Fünftel der Bevölkerung leidet unter Ängsten, damit gehört die Angststörung zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen überhaupt.

 

Sie gehören zu den deutschlandweit besten Psychiatern, die Angst und Angststörungen heilen können. Wo ist der Unterschied zwischen normaler Angst und krankhafter Angst?

Prof. Dr. Rupprecht: Die Entstehung von Angst ist vielfältig. Hier spielen biologische Mechanismen eine Rolle aber auch lernpsychologische Gesichtspunkte, z. B. im Laufe des Lebens gemachte Erfahrungen.

 

Angst ist vielfältig. Flugangst, Angst vor Spinnen. Wie kommt es zu Angst oder Panikattacken? Wenn man merkt, es kommt eine Angstwelle, kann man den Verlauf bewusst bremsen

Prof. Dr. Rupprecht: Im Rahmen einer „kognitiven Verhaltenstherapie“, das ist eine spezielle Form der Psychotherapie, kann man zum Beispiel lernen, wie man mit sich entwickelnden Angstsituationen umgeht. Ebenso können Entspannungsverfahren hier nützlich sein. Es bietet sich beispielsweise autogenes Training, Meditation, Biofeedback oder progressive Muskelentspannung nach Jacobsen an. Gegen Flugangst helfen auch niedrig dosierte Medikamente, die wie eine Reisetablette bei Übelkeit, die Angst unterdrückt.


Sie sind einer der renommiertesten Forscher im Bereich der Angststörung. Welche neusten Erkenntnisse aus der Forschung flossen in die Behandlung ein?

Prof. Dr. Rupprecht: Die Behandlung von Angsterkrankungen erfolgt psychotherapeutisch und bei Bedarf auch medikamentös. Häufig wird eine Kombination aus beiden Verfahren eingesetzt. Wir forschen derzeit auch an neuartigen Zielstrukturen für die medikamentöse Angstbehandlung. Für derartige Zielstrukturen stehen jedoch bislang noch keine marktreifen Produkte zur Verfügung. Ferner versuchen wir, unsere Erkenntnisse zu neuronale Angstnetzwerken im Gehirn in unsere Psychotherapieprogramme einfließen zu lassen.