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Die Arbeit des Bezirks spannend verständlich gemacht

Besuchergruppe aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach informiert sich in Regensburg

Fast sechzig Bürger waren auf Einladung von Bezirksrat Richard Gaßner aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach in die Bezirkshauptverwaltung gekommen, um sich über die Aufgaben und Leistungen des Bezirks zu informieren. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion stellte den Bezirkstag mit Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler an der Spitze und den 15 weiteren Mitgliedern vor, um die zahlreichen Entscheidungen von der überörtlichen Sozialhilfe bis zur Kulturförderung auf den Weg zu bringen.

Gaßner erläuterte den Bezirkshaushalt, der in diesem Jahr insgesamt rund 411 Millionen Euro umfasst. Über 94 Prozent werden davon aufgewendet für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung. „Deutlich geringer, aber mit großer Wirkung sind die Ausgaben für das Kulturleben“, sagte Gaßner und zählte die zahlreichen Fördermaßnahmen von der Denkmalpflege über Zuschüsse für Musikvereine zum Instrumentenkauf bis zur Unterstützung der Oberpfälzer Festspiele auf. Für die Förderung des Kulturlebens wendet der Bezirk in diesem Jahr rund 6 Millionen Euro auf.

Spannend und aufklärend war der Einblick in das gesunde und erkrankte menschliche Gehirn mit Dr. Dr. Helmut Hausner, Vorstand der „Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo)“. Fachärzte der medbo können durch ein so genanntes „QEEG“ einen Blick ins Gehirn werfen und so die Diagnose und Behandlung von sichtbaren Erkrankungen mit Medikamenten und geeigneten psychotherapeutischen Verfahren passgenauer gestalten. Hausner stellte die medbo mit fast 3000 Beschäftigten auch als wichtigen Arbeitgeber in der Oberpfalz vor. Befragungen offenbaren die große Arbeitsplatzzufriedenheit des Personals, die dann durch engagiertes Handeln auch für die Patienten im Heilungsprozess wirksam werden kann. „Als Kommunalunternehmen des Bezirks Oberpfalz arbeiten wir wirtschaftlich, aber nicht profitorientiert und sind dem Gemeinwohl verpflichtet“, sagte Hausner.

Dieser flächendeckende Einsatz für die Gesundheit der Oberpfälzer wird insbesondere auch deutlich beim Projekt TEMPIS. Ein Schlaganfall kann durch die Verstopfung eines Blutgefäßes oder einer Blutung im Gehirn verursacht werden: Ärzte in einer Oberpfälzer Klinik, in der der Patient liegt, arbeiten über Telemedizin mit den medbo-Experten aus der Neurologie zusammen, um über die lebensentscheidend richtige Diagnose und Behandlung zu befinden.

Der zweite Teil des Besuches führte die Gruppe in den Maßregelvollzug: Das individuelle Behandlungskonzept ist laut Dr. Wolfgang Mache, Ärztlicher Direktor der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg, entscheidend für ein Leben ohne Straftat nach der Entlassung. Besonderer Wert wird deshalb auf die umfangreiche Schulung des Klinikpersonals gelegt, um professionell mit den Straftätern im gerichtlich angeordneten Maßregelvollzug umzugehen. Die jährlich rund 200 stationär und 300 ambulant behandelten psychisch oder suchtkranken Straftäter müssen lernen, mit ihrer Persönlichkeit im realen Leben zurechtzukommen, ohne erneut straffällig zu werden. Die Forensik-Patienten erfahren ein individuelles Behandlungskonzept mit Therapieformen wie Gruppen- und Einzelgesprächen, Arbeits- oder Sporttherapie. Zwei Drittel der suchtkranken Straftäter werden im zukunftsentscheidenden ersten Jahr nach der Entlassung nicht wieder straffällig, bei den psychisch kranken Straftätern schaffen über neunzig Prozent ein straffreies Leben.

Wie streng die Sicherheitsmaßnahmen in der Klinik umgesetzt werden, konnten die Besucher bei der Führung vor Ort erleben: nachdem eine Zugangstür länger als vorgesehen nicht geschlossen wurde, löste sich automatisch der Hausalarm aus. Damit wird auch dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung Rechnung getragen.

Nach einem reichhaltigen Mittagessen im lichtdurchfluteten „medborante“ zeigte Bezirksrat Richard Gaßner noch die auf seine Initiative vom Verwaltungsrat der medbo beschlossene neue Gestaltung der T4-Gedenkstätte beim Zugang zur Krankenhauskirche St. Vitus. Die Gedenkstätte erinnert an das Schicksal der 641 psychisch kranken und behinderten Menschen, die 1940/41 aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz deportiert und dort ermordet wurden. Diese Patienten wurden Opfer der im Nationalsozialismus angeordneten T4-Vernichtungsaktion, die sich damals gegen menschenverachtend bezeichnete „unnütze Esser“ richtete. Die neu gestaltete Gedenkstätte nimmt in der Mitte die bisher an einer Hauswand angebrachte Gedenktafel auf und gibt durch Porträtfotografien den ermordeten Menschen Gesicht und Würde.

Nach einem Spaziergang durch die Regensburger Altstadt trat die Besuchergruppe am frühen Abend die Heimreise an.