Zum Inhalt springen

Neu: Sprechstunden der SpDi's in der Institutsambulanz

Bezirk Oberpfalz macht besseres Betreuungsangebot der Sozialpsychiatrischen Dienste in Regensburg möglich

Nach zwei Jahren im Schleudersitz seiner psychischen Erkrankung fühlt sich Roland M. aufgehoben. Er spürt, dass er die Depression, die ihn nach dem Unfalltod seiner Frau in Schach gehalten hat, überwunden hat. Er fühlt sich auch gut, weil er seine Vertrauenspersonen kennt, falls es ihm einmal wieder schlechter gehen sollte. Bei seinem Weg vom Dunkeln ins Licht halfen die Ärzte vom Regensburger Bezirksklinikum und die Sozialpädagoginnen der Regensburger Sozialpsychiatrischen Dienste.

„Wir von der psychiatrischen Klinik stehen für die medizinische Kompetenz, die sozialpsychiatrischen Dienste kümmern sich um das Lebensumfeld des erkrankten Menschen“, sagt Professor Dr. Berthold Langguth, Leiter der Psychiatrischen Institutsambulanz des medbo-Bezirksklinikums Regensburg. „Die Zusammenarbeit besteht schon seit 1994, aber erst in jüngster Zeit konnten wir unser Sprechstundenangebot für Patienten deutlich erhöhen“, ergänzt Ute Kießling vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Diakonischen Werks Regensburg.

Der Bezirk Oberpfalz hat die finanzielle Förderung deutlich ausgeweitet und diese Erhöhung mit dem Auftrag verbunden, das Versorgungsnetz der stationären zur ambulanten Versorgung enger zu knüpfen. Seit Anfang des Jahres können die Sozialpädagoginnen von der Bayerischen Gesellschaft für psychische Gesundheit und vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Diakonischen Werks Regensburg je acht Sprechstunden pro Woche in der Klinik anbieten, vorher waren es je zwei pro Monat. Die beiden Einrichtungen gehören zum Versorgungsnetz der sieben Sozialpsychiatrischen Dienste in der Oberpfalz, die vom Bezirk Oberpfalz anerkannt sind und finanziell unterstützt werden.

„Die fachlich intensiven und über Jahre gewachsenen Kontakte kommen den Patienten zu Gute, kein Patient soll sich nach dem Klinikaufenthalt oder der ambulanten psychiatrischen Behandlung alleingelassen fühlen“, betont Dr. Langguth. „Wir helfen dem Patienten im Alltag wieder Fuß zu fassen“, betont Eva Frigo von der Bayerischen Gesellschaft für psychische Gesundheit. Die Unterstützungsleistung reicht dabei von regelmäßigen Einzelgesprächen, Unterstützung bei lebenspraktischen und behördlichen Angelegenheiten, Vermittlung in betreute Wohnformen, Hilfen im Arbeitsleben und  Angeboten zur Kontaktfindung und Freizeitgestaltung.

Die enge Kooperation hat aber noch weitere Pluspunkte: „Als Klinik können wir nur auf Krankenschein behandeln“, stellt Dr. Langguth klar. Er betont aber auch die Notwendigkeit, Menschen zu helfen, die erst einmal anonym Hilfe suchen. Hier können die Sozialpsychiatrischen Dienste Unterstützung anbieten, da keine Formalitäten erforderlich und die Leistungen für die Ratsuchenden kostenlos sind. Außerdem stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter Schweigepflicht. „Wir bauen gemeinsam Hemmschwellen ab und schaffen kurze Wege für passgenaue Hilfsangebote“, sagt Ute Kießling.

Aber nicht nur in der Stadt, auch im Landkreis Regensburg wird das Angebot jetzt ausgebaut. „Das ist gerade für ältere Menschen, die wir zu Hause besuchen müssen, ein Gewinn an Lebensqualität“, stellt Kießling fest. „Immer mehr Hausärzte schicken ihre Patienten zu uns, weil sie vermuten, dass hinter den körperlichen Erkrankungen noch mehr steckt“, erläutert der Leiter der Institutsambulanz. Viele Menschen wissen oft gar nicht, wie es nach dem Klinikaufenthalt weiter geht. „Auch zu diesen Menschen können wir intensiver als früher schon in der Klinik Kontakt und Vertrauen aufbauen“, ergänzt Eva Frigo.