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Pflegefachtagung 2015

Kommunizieren per Gefühl

„Es reicht nicht bei Alzheimer-Patienten, alte Möbel aufzustellen und dementen Damen Kartoffeln schälen zu lassen“, stellte Prof. Erwin Böhm bei der 38. Pflegefachtagung fest. Im ganztägigen Seminar „Die Tattoos der Altersseele – ein biographisches Phänomen“ gab er rund 200 Teilnehmern am medbo-Institut für Bildung und Personalentwicklung Anregungen für die Pflege von Demenz-Patienten.

Der Österreicher Böhm war bis zu seiner Pensionierung Schulungsbeauftragter des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV), und so stand im Mittelpunkt der Tagung auch das von ihm entwickelte psychobiographische Pflegemodell. Demnach wird die Demenz nicht nur als organisches, sondern vor allem als psychisch verstehbares Geschehen betrachtet. Die „therapeutische“ Pflege folgt dem Verständnis, dass der demente Mensch weitgehend in seinem Gefühl erreichbar bleibt.

Ungewöhnlich anmutende Verhaltensweisen alter Menschen werden nicht als Störungen, sondern als Ausdruck einer psychobiographischen Normalität verstanden und akzeptiert. Im Pflegealltag erfordert das Modell ein vertieftes Verstehen des alten Menschen in seiner Vergangenheit und setzt die intensive Auseinandersetzung mit der emotionalen Biographie des Patienten voraus.
Einer Veröffentlichung der deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge leben in Deutschland gegenwärtig etwa 1,5 Millionen Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jahr für Jahr treten mehr als 300.000 Neuerkrankungen auf.

Für die Gesundheitseinrichtungen bringt der Zuwachs an Demenzerkrankungen große Herausforderungen mit sich: Viele Pflegeheime und Kliniken sind vorrangig somatisch orientiert und das Stations-Setting ist häufig nicht auf die speziellen Bedürfnisse von demenzerkrankten Menschen ausgerichtet, berichtete Felicitas Klein, Direktorin Pflege bei der medbo, in ihrem Grußwort. Und sie hält fest: „Sowohl Fachkräfte als auch Angehörige stellt die angemessene Begleitung und Betreuung von verwirrten und desorientierten Menschen vor sehr hohe fachliche und auch persönliche Anforderungen.“