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Zwischen Wut und Traurigkeit

Depression bei Kindern – häufig unerkannt

Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche können an Depressionen erkranken. Die Symptome sind jedoch gerade bei Kleinkindern andere als bei Erwachsenen. In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg wird Betroffenen aller Altersgruppen geholfen. 

Als die 12-jährige Lisa immer seltener Freunde traf, ihre Leistungen in der Schule schlechter wurden und die einst sportbegeisterte Jugendliche kaum noch ihr Zimmer verließ und über Kopfweh klagte, dachte zuerst niemand an eine Depression. Dass sich Lisa aber nicht einfach nur „mal zusammenreißen“ muss, sondern professionelle Hilfe benötigt, darauf machte die Schulpsychologin aufmerksam. Sie empfahl den Eltern die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg (KJP). Der Ärztliche Direktor der KJP, Dr. Christian A. Rexroth, stellt fest: „Lisa weist einige typische Symptome einer Depression auf. Hauptsymptome bei dieser Erkrankung sind eine depressive Stimmung, Interessen- oder Freudeverlust und verminderter Antrieb. Zusätzlich können der Verlust des Selbstwertgefühls, starke Schuldgefühle, Selbstvorwürfe sowie Konzentrationsstörungen bis hin zu Suizidgedanken auftreten. Auch körperliche Symptome wie Schlafstörungen und Appetitverlust sind häufig.“

Auch schon die ganz Kleinen können betroffen sein

Etwa 10 bis 20 Prozent der Jugendlichen erkranken einmal oder mehrfach an einer Depression. Bei kleinen Kindern zeigen etwa nur ein Prozent Symptome dieser Erkrankung. „In dieser Entwicklungsphase treten häufiger Regulationsstörungen wie Schlaf- und Fütterungsstörungen oder Beziehungsstörungen und tiefgreifende Entwicklungsstörungen auf. Vermehrtes Weinen, erhöhte Irritierbarkeit sowie Spielunlust und Ausdrucksarmut können in dieser Altersgruppe aber auch auf ein depressives Syndrom hinweisen. Im Vorschulalter kommen Ängstlichkeit, psychomotorische Gehemmtheit aber auch agitiertes bis hin zu aggressivem Verhalten als mögliche depressive Symptomatik hinzu. Bei Kindern, die im Rahmen einer Depression vor allem unter einer gereizten Stimmung, erhöhter motorischer Unruhe sowie aggressiven Durchbrüchen leiden spricht man auch von einer „Agitierten Depression““, erläutert Rexroth. Aufgrund der ungewöhnlichen Symptomatik werden Depressionen im Kleinkindalter jedoch häufig nicht erkannt; ein weiteres Problem ist der Mangel an Spezialisten und passenden Behandlungsmethoden für diese Altersgruppe.

Umfangreiche Diagnostik in der KJP für alle Altersgruppen

Kommt ein Kind mit Auffälligkeiten in die KJP, so wird üblicherweise in einer  ambulanten Diagnostik eine ausführliche biografische Anamnese erhoben. Auch die Lebensgeschichte der Eltern und Fremdbeurteilungen zum Beispiel durch Lehrer sind dabei wichtig. „Die ärztliche Untersuchung gehört ebenso zur Diagnostik wie eine aktuelle Laboruntersuchung und eine Hirnstrommessung“, so Rexroth. In einer psychologischen Testung wird die intellektuelle Leistungsfähigkeit gemessen und die emotionale Befindlichkeit durch Fragebogenverfahren und projektive Testungen erfasst. Optional stehen auch eine logopädische oder eine ergotherapeutische Diagnostik auf dem Programm.

Von der Musiktherapie bis zur medikamentösen Behandlung

Teenager Lisa wurde im Anschluss an die Diagnostik sowohl medikamentös als auch psychotherapeutisch behandelt. „Die Kombination aus einer Medikation mit einem Antidepressivum und Psychotherapie ist die erfolgversprechendste Behandlung bei einer Depression“, erklärt Rexroth. Zusätzlich wurden die Eltern im Rahmen einer Familientherapie mit in die Behandlung eingebunden. In der psychiatrischen Behandlung von Kinder- und Jugendlichen ist die Einbeziehung der Eltern unerlässlich, da sie der wichtigste Bezugspunkt für die Patienten sind. Patienten mit schweren depressiven Symptomen wie beispielsweise selbstverletzendes Verhalten oder auch Suizidgedanken werden stationär in der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt. Auch eine tagklinische Behandlung ist möglich.

Zusätzlich zur ärztlichen und psychologischen Behandlung werden die Familien von Sozialpädagogen betreut, um gegebenenfalls Kontakt zu Jugendämtern oder anderen Einrichtungen der Jugendhilfe herzustellen. Weitere Bausteine der Behandlung können Musik- oder Kunsttherapie sowie Motopädie sein. Auch gruppentherapeutische Angebote für Jugendliche mit Depression werden in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorgehalten.