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Anders Sein

Wenn das Gehirn anders verknüpft ist – Leben mit Autismus im Erwachsenenalter

Zeit seines Lebens begleitet ihn das Gefühl, dass er irgendwie anders ist. Georg S. erzählt seine Geschichte über eine späte Diagnose, die rückblickend zwar vieles erklärt, aber sein bisheriges Leben grundlegend verändert.

Der heute 40-jährige Georg S. ist Frührentner und lebt mit seiner Familie im ländlichen Umkreis von Cham. Er wirkt introvertiert und beschreibt sich selbst als Eigenbrötler. Doch was viele nicht wissen, Georg S. ist Autist – genauer: Asperger-Autist.

Georg S. arbeitet schon zehn Jahre in seinem Beruf als Programmierer, als er Anfang 2020 einen Burn-out erleidet. Er holt sich Hilfe in der Männersprechstunde des Zentrums für Psychiatrie in Cham. In den Gesprächen mit den Ärzt:innen wird schnell klar, warum es zum Burn-out kam: S. ist einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt, die er nicht filtern kann, denn er leidet unter Asperger, einer speziellen Form von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS). „Störungen“ deswegen, denn den „Autismus“ gibt es nicht.

 

Autismus-Spektrum-Störungen

Die Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) gehören zu den neurologischen Entwicklungsstörungen und bezeichnen Formen von Störungen der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung.

Das Krankheitsbild lässt sich in drei Hauptmerkmale unterteilen:

  • gestörte soziale Interaktion,
  • Beeinträchtigung von Kommunikation und Sprache sowie
  • Auftreten wiederholter stereotypischer Verhaltensweisen und Interessen.

Typische Symptome können kognitive Dysfunktionen aller Art – Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Wahrnehmung, Sprache etwa – sowie gestörte soziale Interaktionen sein. Autistische Menschen können emotionale Signale und soziale Codes meist nur schwer erkennen. Daraus resultieren oft unangemessene Reaktionen.

ASS können in verschiedenen Formen und unterschiedlich starker Ausprägung vorkommen:

  • Der frühkindliche Autismus wird häufig auch als die allgemeine Form bezeichnet. Er wird in aller Regel vor dem dritten Lebensjahr diagnostiziert und weist Einschränkungen in allen drei Hauptmerkmalen auf.
  • Beim atypischen Autismus sind nicht alle drei genannten Hauptbereiche betroffen. Zudem treten hier einschlägige Symptome erst nach dem dritten Lebensjahr auf.
  • Für den Asperger-Autismus, auch hochfunktionaler Autismus genannt, sind Defizite in der wechselseitigen Interaktion sowie Kommunikation typisch. Bei dieser ASS-Form sind die sprachliche und die kognitive Entwicklung nicht beeinträchtigt. Oft weisen Betroffene Spezialinteressen oder sogar eine Hochbegabung auf, die das Krankheitsbild zunächst verdecken, weswegen die Diagnose meist relativ spät gestellt wird.

Kontakt:

medbo Zentrum für Psychiatrie Cham
Männersprechstunde
Fon +49 (0) 9971/76655-0 | maennersprechstunde-psy-cha@medbo.de

Bildquelle: G-Stock faces via iStock