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Julia

Frauenpower

Dr. Julia Prasser ist seit Jahresbeginn 2021 neue Chefärztin des medbo Zentrums für Psychiatrie Cham (ZfP).

Vier Jahre lang war Dr. Julia Prasser stellvertretende Chefärztin der Erwachsenenpsychiatrie am medbo Standort Cham. Künftig verantwortet sie als neue Chefärztin des ZfP auch die Psychiatrische Tagesklinik und Institutsambulanz der medbo Amberg.

Dr. Prasser, herzlichen Glückwunsch zur neuen Position! Wie war der Start?

P.: Der Start war so wie das richtige Leben: Es gab gleich jede Menge Herausforderungen, die ad hoc bewältigt werden mussten. Aber das bin ich gewöhnt. Zeit zum Feiern gab es nicht, was in Zeiten von Corona völlig in Ordnung ist. Das Zentrum Cham ist einfach ein wunderbarer Arbeitsplatz, an den ich trotz Strecke – ich lebe mit meiner Familie in Regensburg – täglich sehr gerne komme.

Wie ist das Zentrum Cham derzeit aufgestellt? Welche Schwerpunkte bedient es?

P.: Aktuell sind wir personell gut aufgestellt und können unsere allgemeinpsychiatrischen Aufgaben sehr gut meistern. Es ist ein großes Plus, dass wir als ländliche Psychiatrie bis auf eine qualifizierte Entzugsbehandlung sämtliche psychiatrischen Erkrankung behandeln können. Das ist für uns natürlich auch inhaltlich interessant. Zudem schafft die Nähe zur medbo Kinder- und Jugendpsychiatrie und zu den somatischen Kliniken vor Ort in Cham und Amberg positive Synergieeffekte. An beiden Standorten ermöglicht das eine ganzheitliche Versorgung der psychisch Kranken. Und was die Arbeit sehr erleichtert: Die Zusammenarbeit mit der Betriebsorganisation und den komplementären Diensten in beiden Regionen ist sehr angenehm.

Sie haben sich in den vergangenen Jahren nicht zuletzt vertieft dem Thema Depressionen vor und nach der Geburt gewidmet. Gibt es weitere Themen, die sie stärken möchten?

 P.: Wir müssen als ländliche Psychiatrie das gesamte therapeutische Spektrum der Psychiatrie bedienen. Aber uns interessieren auch genderspezifische Therapieangebote. Im Gegenzug zu den bereits bestehenden Angeboten für Frauen gibt es beispielsweise äquivalente Angebote auch für das männliche Geschlecht. Zudem wäre es mein Wunsch, durch mehr Home-Treatment-Angebote die ambulante Versorgung von wenig mobilen, aber behandlungsbedürftigen Patient:innen weiter zu verbessern.

Sie sind auch für die Erwachsenenpsychiatrie am Standort Amberg zuständig. Wie schaffen Sie den dreifachen Spagat zwischen Cham, Amberg und ihrem Wohnort Regensburg?

P.: Da der Tag leider nur 24 Stunden hat, ist das schon eine logistische Herausforderung. Zu schaffen ist es, weil es an beiden Standorten sehr verlässliche Kolleginnen und Kollegen gibt, die mir zu Seite stehen. Und zuhause teilen mein Mann und ich uns die Aufgaben.

Sie folgen auf Dr. Peter Radlinger, der in die neu gegründeten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) der medbo wechselt. Werden das ZfP Cham und das MVZ Cham kooperieren?

 P.: Selbstverständlich. Dr. Radlinger und das ZfP werden weiterhin eng zusammenarbeiten. Wir werden uns gegenseitig Patient:innen überweisen. Dr. Radlinger wird beispielsweise auch weiterhin Konsile in einem Pflegeheim durchführen, das schon lange durch das ZfP betreut wird. Auch Klinikärzt:innen und Psycholog:innen aus unserem Haus werden im medbo MVZ mitarbeiten können. Im Verlauf planen wir eine Weiterbildungsmöglichkeit für Assistent:innen im MVZ.

Sie sind nun die vierte Chefärztin der medbo binnen zwei Jahren. Was meinen Sie dazu?

P.: Da bin ich ganz pragmatisch: Die Medizin wird schlicht und einfach weiblich. Irgendwann muss sich der hohe Anteil von Medizin-Studentinnen und examinierten Medizinerinnen ja auch zwangsläufig in Führungspositionen niederschlagen. Außerdem hat die medbo in den letzten Jahren viel für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie getan. Dies hat sich auch bei mir positiv bemerkbar gemacht: Ich bin nun die zweite Chefärztin mit Kind(ern).

Drei Wünsche der Chefärztin und Medizinerin Julia Prasser an die gute Fee? …

P.: Ein sofortiges Ende der Corona-Pandemie. Ein Stopp des Klimawandels. Keine weiblichen/männlichen Rollenklischees mehr in den Köpfen der Menschen.

Zur Person: Dr. med. Julia Prasser

Die gebürtige Münchnerin (Jahrgang 1979) begann 1998 nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Rettungsassistentin in Regensburg und Mannheim. 2000 bis 2006 studierte Julia Prasser anschließend an der Ruprecht-Karl-Universität Heidelberg und an der Universität Regensburg (UR) Humanmedizin. 2007 promovierte Dr. Julia Prasser an der UR im Fachbereich Pathologie.

Ihre Facharztausbildung im Bereich Psychiatrie & Psychotherapie durchlief Dr. Prasser von 2006 bis 2010 an der medbo Universitätsklinik für Psychiatrie & Psychotherapie in Regensburg, mit einer Assistenzzeit im Fach Neurologie im Klinikum Barmherzige Brüder Regensburg.

Seit 2009 ist Dr. Julia Prasser durchgehend für die medbo tätig. Zuerst als Fachärztin in der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA), dann als Funktionsoberärztin mit chefärztlicher Vertretung in der PIA sowie oberärztlicher Vertretung der Zentralen Patientenaufnahme des medbo Bezirksklinikums Regensburg.

2017 wurde sie zur Leitenden Oberärztin und damit stellvertretenden Chefärztin des medbo Zentrums für Psychiatrie (ZfP) Cham berufen. Seit 2021 ist sie Chefärztin des ZfP Cham und der zugeordneten erwachsenenpsychiatrischen Einrichtungen der medbo Amberg.

Dr. Julia Prasser hat für die medbo in Regensburg und Cham unter anderem die Fachambulanzen „Psychische Störungen in Schwangerschaft und Wochenbett“ aufgebaut. Sie engagiert sich in der Vernetzung der Erwachsenen- mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der engmaschigen Kooperation zum Thema Eltern-Kind-Arbeit mit Netzwerkpartnern, niedergelassenen und Hausärzten, Hebammen und somatischen Kliniken der Region.

Dr. Prasser ist Absolventin und Mentorin des medbo Führungskräfte-Entwicklungsprogramms FKEP.

Bildnachweis: Michaela Heelemann