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Mission: Vernetzung

Andreas Kinadeter ist neuer Psychiatriekoordinator für die Oberpfalz. Mit ihm gewinnen der Bezirk Oberpfalz und seine Medizinischen Einrichtungen (medbo) einen in der Oberpfälzer Psychiatrielandschaft erfahrenen Kollegen als neuen Koordinator und Netzwerker. Am 1. Juni trat er die Nachfolge von Anna Magin an, die nach fast zehn Jahren im Amt in die Bezirkssozialverwaltung wechselte.

Andreas Kinadeter kennt sich aus in der psychiatrischen und psychosozialen Landschaft der Oberpfalz. Vor seinem Antritt als Psychiatriekoordinator des Bezirks Oberpfalz war er unter anderem bereits fünf Jahre Leiter der Bayerischen Gesellschaft für Psychische Gesundheit Regensburg. Auch Gremienarbeit und Vernetzung sind für Kinadeter nichts Neues.

Regensburg ist seit langem sein Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Der 37-jährige Niederbayer studierte Soziale Arbeit an der Hochschule Regensburg. „Mir gefällt das übergreifende Arbeiten, die Kombination von Medizin-Psychologie-Pädagogik. Außerdem interessiert mich seit jeher alles, was jenseits des Tellerrands passiert“, erläutert Andreas Kinadeter. Später absolvierte Kinadeter den Masterstudiengang „Mental Health“ in München. Seine ersten beruflichen Schritte führten ihn in die rechtliche Betreuung. Und noch einen Aspekt bringt der neue Psychiatriekoordinator mit ins neue Amt: Seit etwa sechs Jahren lehrt er Sozialpsychiatrie an der OTH Regensburg.

Eine Brücke

Als Psychiatriekoordinator steht Andreas Kinadeter organisatorisch mit einem Bein in der Bezirkssozialverwaltung, mit dem anderen in der medbo – den Medizinischen Einrichtungen des Bezirks. Er verbindet damit in Personalunion die klinische Perspektive der Psychiatrie und Suchtmedizin mit der psychosozialen Zuständigkeit des Bezirks. Denn der Bezirk ist organisatorisch und finanziell an vielen komplementären Einrichtungen und Aufgaben der Oberpfälzer Psychiatrie- und Suchthilfelandschaft beteiligt. 

Ein Strauß Buntes

Seine ersten Wochen standen vor allem unter dem Thema „Orientierung“ – aber nicht nur. Denn es laufen schon wichtige Themen auf vollen Touren, etwa ein Workshop mit den Gerontopsychiatrischen Diensten oder die Versorgung von Menschen mit besonders herausfordernden Verhaltensweisen. Hinzu kommt die Ausweitung seines Netzwerks in die gesamte Oberpfalz, aber hier steht ihm seine Vorgängerin im Amt Anna Magin zur Seite, die nun als Referatsleiterin in der Bezirkssozialverwaltung seine neue Chefin ist. Die beiden kennen sich, denn sie haben in den letzten Jahren schon viel und intensiv zusammengearbeitet. „Ein Glücksgriff! Die Psychiatriekoordination liegt mir persönlich sehr am Herzen und ich bin entsprechend froh, dass Andreas Kinadeter diese Aufgabe übernimmt“, sagt Magin.

Krisenberatung unter Krisenbedingungen

Ganz oben auf Andreas Kinadeters derzeitiger Agenda ist die Begleitung des Aufbaus des neuen gesetzlich vorgegebenen Krisendienstes für psychiatrische und psychosoziale Krisen. Der Bezirk ist Kostenträger eines Großteils der Leistungen der Oberpfälzer Einheit. Ob Implementierung der künftigen zentralen Leitstelle der Oberpfalz in Schwandorf, die Zusammenarbeit mit den anderen bayerischen Leitstellen, die Erstellung von Kostenplänen oder die Klärung von Datenschutzfragen und vieles mehr: Kinadeter steckt gerade mitten in der heißen Phase, denn die Eröffnung der Leitstelle soll noch dieses Jahr erfolgen. 

Psychiatriekoordination und die Zukunft

Auf die Frage, wie er sich die psychiatrische und psychosoziale Landschaft der Zukunft – vielleicht in zehn Jahren – vorstellen könnte, antwortet Andreas Kinadeter ganz spontan: Trialogisch. Der Austausch und das Miteinander von Psychiatrieerfahrenen, Angehörigen und Experten ist ihm sehr wichtig. In der Oberpfalz gäbe es, so Kinadeter, hierzu schon eine sehr breite und funktionierende Basis – nicht zuletzt dank der medbo, die hier die Vernetzung mit trialogischen Partnern sehr fördere. Und im weiteren Atemzug nennt er: Antistigma. Denn noch sind psychiatrische Erkrankungen in weiten Teilen der Bevölkerung mit Vorurteilen belegt, trotz und obwohl so viele Menschen aller Altersklassen und jeglichen Hintergrunds davon betroffen sind. 

Psychiatriekoordinatoren in Bayern: Die Netzwerker

Laut ihrer Satzung sind die Bayerischen Bezirke als dritte Ebene der kommunalen Selbstverwaltung für die psychiatrische und suchtmedizinische Versorgung der im Bezirk lebenden Bevölkerung zuständig. Der Bezirk Oberpfalz betreibt dazu über sein Kommunalunternehmen medbo eigene Einrichtungen wie Kliniken, Tageskliniken, Ambulanzen und Pflegeheime.

Die Bezirke organisieren außerdem die psychosoziale Versorgung, die der medizinischen jeweils vor- und nachgelagert sein kann. Hier geht es um nichts weniger als den großen Aufgabenbereich der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit seelischen Erkrankungen und/oder Behinderung. In der Oberpfalz gibt es in diesem psychiatrisch-psychosozialen Kontext eine Vielzahl an Akteuren. Hier setzt die Tätigkeit des Psychiatriekoordinators an: Er koordiniert die Interaktion in der psychiatrisch-psychosozialen Versorgungslandschaft der Oberpfalz.

Gleichzeitig sind Psychiatriekoordinatoren Politikberater und unterstützen die Lenkungs- und Steuerungsgremien mit Bezirksbezug. Entsprechend sind sie auch Geschäftsführer der jeweiligen Planungs- und Koordinierungsausschüsse ihrer Bezirke.

Im Rahmen der Einführung eines psychiatrisch-psychosozialen Krisendienstes mit eigener Leitstelle in jedem bayerischen Bezirk sind die Psychiatriekoordinatoren hier mit der Aufbaubegleitung betraut.
Nicht zuletzt sind Psychiatriekoordinatoren wichtige Ansprechpartner und fachliche Berater für Betroffene, Angehörige und Institutionen in allen Fragen der psychosozialen Versorgung und der Suchtkrankenhilfe. 
 

Bildnachweis: privat