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Ob Kinder- und Jugendpsychiater, Kinderarzt oder Jugendhilfe: „Jeder macht seinen Job – aber bitte im Netzwerk miteinander zum Wohle der Kinder und ihrer Familien“, sagt Dr. Christian Rexroth – Chefarzt des Zentrums Weiden der medbo Klinik und Pol

„Noch zu vielen Kindern geht es schlecht!“

medbo-Fachtag zum Thema Kinderrechte

Anlässlich des 30. Jubiläums der UN-Kinderrechtskonvention lädt das Zentrum Weiden der medbo Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am 21. November 2019 zum Expertenforum in die Max-Reger-Halle ein.

Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, das weltweit wichtigste Menschenrechtsinstrumentarium, das Kindern und Jugendlichen eine spezifische Stimme gibt, wird heuer 30 Jahre: Die UN-Kinderrechtskonvention. Und trotzdem: „Zu vielen Kindern geht es noch schlecht“, sagt der Chefarzt der medbo Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weiden, Dr. Christian Rexroth. Dabei blickt er jedoch nicht etwa auf Entwicklungsländer, sondern auf Deutschland – genauer auf die Oberpfalz und in seiner Rolle als Landessprecher für die kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken auch auf die landesweite Versorgung. Von Amberg über Weiden bis nach Cham kämpfen Familien mit Armut, Arbeitslosigkeit und psychischen Belastungen, v. a. Depressionen. Doch gleichzeitig können auch nur die Eltern die Rechte ihrer Kinder einfordern. „Haus- und Kinderärzte, Psychiater und Gynäkologen, aber auch die Jugendhilfe und Lehrkräfte – wir alle müssen ein stabiles und gut funktionierendes Netzwerk bilden und noch stärker zusammenarbeiten“, so Dr. Rexroths Plädoyer für eine familienorientierte Ausrichtung der sektorenübergreifenden Flächenversorgung der Oberpfälzer. Mit diesem Ansatz ist er bereits auch auf das Bayerische Gesundheitsministerium zugegangen. Der Startschuss für ein solch engmaschiges Expertennetzwerk in der Nordoberpfalz fällt für den Chefarzt zum ersten kinder- und jugendpsychiatrischen Fachtag der medbo in Weiden. Am 21. November 2019 beleuchten zahlreiche Fachspezialisten aus unterschiedlichen Fachbereichen der Medizin und der Jugendhilfe in der Max-Reger-Halle ab 9:30 Uhr das Thema Kinderrechte aus den unterschiedlichsten Perspektiven.

Das Besondere ist der interdisziplinäre Ansatz der Veranstaltung: Vormittags geht es um die Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Kinder- und Jugendmedizin sowie die Jugendhilfe – ab 14 Uhr stellen die Bayerische Kinderschutzambulanz aus München ihre Erkenntnisse aus der Rechtsmedizin vor, der die Perspektive der Erwachsenenpsychiatrie folgt. „Nicht zuletzt müssen wir uns einer immer weiter wachsenden Hochrisikogruppe annehmen: Den Kindern und ihren Eltern aus Einelternfamilien“, betont Dr. Rexroth. Im Rahmen der Fachtagung wird mit dem Bindungstraining für Alleinerziehende – wir2 – ein hocheffektives Präventionsprogramm vorgestellt. Für Dr. Rexroth ein absolutes Muss: „Noch zu viele Kinder sind Opfer auch häuslicher Gewalt, Vernachlässigung und Missbrauch oder leiden mit ihren Eltern unter psychischen Belastungen.“ Wenn hier nicht so früh wie möglich geholfen wird, können Beschädigungen auftreten, die im Extremfall dauerhaft bleiben können. 

Kinder haben gemäß der UN-Kinderrechtskonvention ein Recht auf Schutz, elterliche Fürsorge und gewaltfreie Erziehung sowie auf Gesundheit im Allgemeinen, um nur einige Kinderrechte zu nennen, können diese aber nicht selbst für sich einklagen.

Eine Art „Sicherheitsnetz“ ist damit gefragt. Sprich: Experten aus verschiedenen Disziplinen – von Medizin über Jugendhilfe und Bildung bis hin zu Ämtern, Behörden und der Justiz – die untereinander stärker als bisher kommunizieren. Dr. Rexroth erklärt den Stellenwert dieses Ansatzes an einem Beispiel: Ca. ein Fünftel aller Frauen leiden um eine Schwangerschaft herum an psychischen Belastungen, beispielsweise Depressionen, oder sehen einer Zukunft als alleinerziehender Mutter entgegen. Bleiben die Mütter bzw. Väter unversorgt und das Kind über einen längeren Zeitraum diesen elterlichen Belastungen ausgesetzt, kann ein Schneeballeffekt eintreten. Psychische Erkrankungen etwa werden von Generation zu Generation weitergegeben, das ist neurobiologisch erwiesen: „Ob Stress oder Trauma: Die hormonelle Situation der Mutter schreibt sich bereits im Mutterleib in das Gehirn des Kindes. Um diese Belastungen abzumildern, sind innerhalb der Medizin u. a. Gynäkologen und Hebammen, Psychiater und Kinderpsychiater zur Kooperation zum Wohle des Kindes und der Familie aufgefordert.“ Doch es ist noch etwas Wegs dahin – „auch mit dem Ausbau der Klinik in Weiden wollen wir das Netzwerk um die Kinder und ihre Familien verbessern. Mit dem Fachtag im November erfolgt der Startschuss.“

Zum kinder- und jugendpsychiatrische Fachtag sind alle Interessierten herzlich eingeladen – um Anmeldung wird gebeten unter ibp.medbo.de.