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Die angehenden Pflegefachkräfte lernen im Skills Lab der medbo Pflegeschulen in einer geschützten Umgebung und dennoch praxisnah. Bildautor: Frank Hübler

Simulation in voller Aktion

Neuordnung und (neue) Hygiene-Regeln: 2020 war ein Umbruchjahr für die Pflegeausbildung. An den medbo Pflegeschulen in Regensburg sind Konzepte und Methoden entstanden, die im Rahmen der generalistischen Ausbildung auch nach der Pandemie Schule machen könnten. Dabei kommt modernste Technik zum Einsatz. 

Wenn die bestmögliche Pflege von Patient:innen das Ziel ist, haben Praxis- und Realitätsnähe in der Fachkräfte-Ausbildung eine ganz besondere Bedeutung. Auf dem Weg zum Pflegefachmann und zur Pflegefachfrau gilt es die Schüler:innen bestmöglich auch auf herausfordernde Situationen vorzubereiten. Die Umstellung auf die Generalistik plus Pandemie: „Ich sage es mal so… im Frühjahr 2020 hat für uns eine ganz besonders spannende Zeit begonnen“, lacht Christine Denk, während sie die letzten Monate Revue passieren lässt. Neuer Lehrplan, mehr Abstand - die Schulleiterin der medbo Pflegeschulen in Regensburg ist sich sicher: „Dieser Umbruch war nicht einfach, jedoch haben sich aus unserer Sicht in den letzten Monaten viele neue Lehr-Methoden bewährt, die die Ausbildung auch nach Corona langfristig bereichern könnten.“

Von Drehbüchern und neugierigen Angehörigen
Neben Hybrid-Unterricht – der Kombination von Präsenz- und Online-Lehrformen – hat sie dabei vor allem das hauseigene Skills-Lab im Blick. Ein Patientenzimmer mit einer sogenannten High-Fidelity-Puppe (Dummy-Puppe), der über ein Mikrofon eine Stimme verliehen werden kann. Die Vitalwerte des Übungspatienten sind ebenfalls vom Regieraum aus fernsteuerbar. Auch für die stellvertretende Schulleiterin Nicole Daschner ist das Skills Lab ein Herzensthema. Sie legt besonderen Wert auf eine ausführliche Planung. „Wir schreiben für jede Simulation ein Drehbuch – inklusive Lehrplanverankerung, Lernziele und Szenariobeschreibung.“ Die Schüler:innen werden zudem vorab gebrieft, sie erhalten verschiedene Patienteninformationen und einen dem Lernstand angemessenen Auftrag. Zum Beispiel gilt es einen Verbandswechsel durchzuführen, bei dem die Mutter des/der Patient:in anwesend ist.
Was sie aber im Vorfeld nicht wissen: Die Mutter – alias eine Lehrkraft – hat einen großen Beschützerinstinkt und dementsprechend viele Fragen. Dabei geht es nicht darum, bestimmte Tätigkeiten nach Schema-F durchzuführen oder Fachbegriffe auswendig aufzählen zu können. „Nur, wer sein Handwerk verstanden hat, kann es einem Laien auf simple Weise erklären.“ Außerdem können außerhalb der eigentlichen Aufgabe weitere Stolpersteine auftreten. Wenn der Patient sagt „mir ist so heiß“ sollte Fieber gemessen werden – wenn Medizinprodukte offen auf dem Tisch liegen, sollte lieber aufgeräumt werden. Die Simulationsübung wird mitgefilmt, um sie im Nachgang gemeinsam zu reflektieren. „Der Rahmen ist absolut vertraulich, die Aufnahmen werden danach umgehend und im Beisein der angehenden Pflegekräfte gelöscht.“

Knochenbrüche sind nicht planbar
Daschner sieht in der High-tech-Simulation eine ideale Ergänzung zu den sogenannten Praxisbegleitungen „live auf Station.“ In diesem Rahmen besuchen die Lehrkräfte ihre Auszubildenden vor Ort, begleiten sie im Alltag und fragen bestimmte Fertigkeiten ab. „Das Problem ist aber auch: Die Realität kann nicht beeinflusst werden“, betont Daschner. Schließlich sei zu den vorab vereinbarten Terminen nur schwer abzusehen, ob ein:e Patient:in mit einem Wundverband auf der Station liegt und dabei beispielsweise ein Elternteil anwesend sein würde. Ein weiterer Vorteil des Skills Lab: Dort finden die Schüler:innen einen geschützen Übungsraum, das Patient:innenwohl ist zu keiner Zeit gefährdet. „Es gibt keine Berührungsängste und zugleich können wir bestimmte Situationen aus unseren Erfahrungen als Pflegekraft auf Station planen und simulieren. Auch Notfallsituationen.“

Offizielle Vorgaben setzen Grenzen
In Anbetracht der großen Lernerfolge, die in den ersten Durchläufen bereits erreicht werden konnten, soll der Bereich Praxissimulation bei den medbo Pflegeschulen künftig noch stärker in den Fokus rücken. So wäre es denkbar, interdisziplinäre Aspekte einfließen zu lassen. Erste Gespräche mit der Notfallmedizinerin der medbo haben beispielsweise bereits so manche Ideen für neue Szenarien entstehen lassen. „Wir sehen darin die Zukunft der Pflegeausbildung und tun unser Möglichstes“, sagt Nicole Daschner. Nicht umsonst sind die medbo Pflegeschulen Mitglied bei SimNAT Pflege e.V. – dem Simulationsnetzwerk Ausbildung und Training in der Pflege.
Die Möglichkeiten und Ideen sind vielfältig, trotzdem gibt auch Grenzen: Simulationen im Skills Lab sind laut Lehrplan des Bayerischen Kultusministeriums im ohnehin eng getakteten Theorieteil der Ausbildung angesiedelt. „Uns fehlt schlichtweg die Zeit, um diese Simulationen über das Stundenkontingent für Theorieunterricht abzuwickeln“, ergänzt Schulleiterin Denk. Der Wunsch der Schulleitung und Lehrteams: Eine Verankerung der Simulationen im Praxislehrplan Bereich der Praxisbegleitungen und somit weitere Gestaltungsmöglichkeiten im Sinne einer zukunftsorientierten Ausbildung.

Weitere Informationen

zum Bildungsangebot der medbo Pflegeschulen unter >> medbo.de/pflegeschule.

Die Ausbildung zum Pflegefachmann (w/m/d) im Überblick

Drei Jahre dauert der Weg vom Schulabschluss hin zur examinierten Pflegekraft. Der Lehrplan des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus wurde erst 2020 reformiert: Die Ausbildungen in den Bereichen Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege sowie Kinderkrankenpflege wurden in einer generalistischen Ausbildung zusammengefasst. Während die ersten beiden Ausbildungsjahre – auch Ausbildungsdrittel genannt - die inhaltliche Grundlage bilden, kann im dritten Jahr ein Schwerpunkt gewählt werden.
Der Lehrplan dahinter basiert auf zwei Säulen: Der Theorielehrplan umfasst 2.100 Stunden in denen klassischer Unterricht im Klassenzimmer sowie fachpraktischer Unterricht im Demo-Raum sowie die Praxisbegleitungen auf den Stationen angesiedelt ist.
Im Praxislehrplan sind rotierende Einsätze vorgesehen. Hier erhalten die Auszubildenden zudem Unterstützung von ausgebildeten Praxisanleiter:innen aus den Stationsteams. 2.500 Unterrichtsstunden sind hierfür vorgeschrieben.