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Welt-Parkinson-Tag

Immer in Bewegung, ohne vorwärts zu kommen

Steife Muskeln und verarmte Bewegungen, dazu ein unvermeidbares Zittern: Wer an Parkinson leidet, ist im Alltag stark eingeschränkt. Zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April gibt Dr.  Zacharias Kohl, Oberarzt der medbo Klinik für Neurologie, Infos über die unheilbare Nervenerkrankung und ihre Behandlung.

Michael J. Fox, Papst Johannes Paul II. oder der „Bulle von Tölz“ Ottfried Fischer sind berühmte Parkinson-Patienten. So wie sie leiden etwa 250.000 Patienten in Deutschland an der neurodegenerativen Erkrankung. Meist bricht Parkinson zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr aus. Bei einigen beginnt Parkinson bereits um das 30. Lebensjahr.

Eine Krankheit mit vielen Symptomen

„Die Hauptsymptome der Parkinsonerkrankung sind Zittern und eine Steifheit der Muskulatur sowie fortschreitende Bewegungsarmut“, erklärt Dr. Kohl, Leiter der neu geschaffenen Ambulanz für Bewegungsstörung und Neurodegeneration an der medbo Klinik für Neurologie. Die Bewegungsstörung zeigt sich an einem starren Gesicht, Tippelschritten, einer vornübergebeugten Haltung und einer kleiner werdenden Schrift. Das Risiko von Stürzen ist deutlich erhöht. Oft können Betroffene nur undeutlich und mit leiser Stimme sprechen.

„Bei einem sehr großen Teil der Erkrankten kommt es außerdem zu Störungen des REM-Schlafes“, ergänzt Kohl. Die Patienten fangen nachts zu schreien an oder schlagen um sich. Oft treten die Schlafprobleme vor den typischen Parkinson-Symptomen auf. „Ein nachlassendes Riechvermögen gilt als weiteres Frühzeichen“, so Dr. Kohl.

Zellen im Gehirn sorgen für Dopaminmangel

Im Mittelhirn liegen Zellen, die Dopamin produzieren. „Dieses Hormon greift in den Regelkreislauf von Bewegungsauslösung und –hemmung ein“, sagt Dr. Kohl. Bei Morbus Parkinson sterben die dopaminproduzierenden Zellen nach und nach ab. Woran das liegt, ist größtenteils ungeklärt.

„Eine Parkinsonsymptomatik kann in seltenen Fällen auch durch erkrankte Gefäße oder eine Abflussstörung des Nervenwassers hervorgerufen werden“, so der Neurologe. „Darum suchen wir bei allen Patienten im CT oder Kernspin nach einer Ursache für die Beschwerden.“ In mehr als 95 Prozent entsteht die Erkrankung aber unabhängig von einem bestimmten Auslöser.  

L-Dopa hilft gegen die Bewegungsarmut

Durch die Gabe von L-Dopa, einem Dopaminersatz, bessern sich die Symptome. Mediziner nutzen das Medikament gleichermaßen zur Diagnosestellung und Therapie. „Patienten müssen L-Dopa mehrmals täglich einnehmen“, sagt Kohl. „Das kann zu Schwankungen im Wirkspiegel und einer Zunahme der Symptome führen“. In diesem Fall hilft eine Medikamentenpumpe, die L-Dopa kontinuierlich abgibt.

Trotzdem lässt die Wirkung im Lauf der Zeit nach. „Der betreuende Neurologe muss dann die Therapie anpassen oder Medikamente mit anderen Wirkstoffen verschreiben“, sagt Kohl. Eine Alternative ist die tiefe Hirnstimulation. „Dabei setzen Ärzte Elektroden ins Gehirn ein. Diese aktivieren die für Bewegungen verantwortlichen Areale“, erklärt der Neurologe. Die Methode kommt bei zehn bis zwanzig Prozent der Patienten in Frage.

Parkinson kann man nicht heilen, aber lindern

„Parkinson gehört zu den chronisch-progredienten Erkrankungen“, bedauert Kohl. Durch die heutigen Möglichkeiten habe sich die Lebenserwartung aber deutlich gebessert. Trotzdem sind viele Patienten nach etwa zwei Jahrzehnten pflegebedürftig. „Unsere Aufgabe ist es, den Erkrankten möglichst lange eine gute Lebensqualität und die Teilhabe an unserer Gesellschaft zu sichern“, so Dr. Kohl.

Im Vordergrund des neuen Donau Parkinson Symposiums steht das gesamte Spektrum der Parkinson-Syndrome. Thematisiert werden von den Experten vor Ort Aspekte der Diagnostik und Differenzialdiagnostik und alle therapeutischen Optionen in den verschiedenen Phasen dieser komplexen chronischen Erkrankungen. Das Symposium richtet sich an Neurologen und neurologisch interessierte Ärzte. Es findet am Samstag, 30. März, von 9 Uhr bis 13 Uhr im Hörsaal des medbo Bezirksklinikums Regensburg, Haus 8 statt.