Über 110 Jahre Historie

1906 beschloss die Vorgängerorganisation des Bezirks Oberpfalz die Entlastung der Heil- und Pflegeanstalt Regensburg durch Gründung eines weiteren Standorts in der Nordoberpfalz. Diese Anlage wurde in Wöllershof 1910|11 in einem naturnahen Park aufgrund der guten Quellwasser-Lage etwa zehn Kilometer nordöstlich von Weiden i.d.Opf. und praktisch in Sichtweite von Neustadt an der Waldnaab erbaut.

In unterschiedlichsten Funktionen erwies sich die ursprüngliche Konzeption der Anlage als belastbar, die Moderne wurzelt damit in einer tragfähigen Tradition. Die Wandlung von der Kaiserzeit ins Heute überstand Wöllershof trotz politischer Wirren unbeschadet.

Wöllershof ist nicht nur der zweitgrößte medbo Standort in der Oberpfalz, sondern auch der Zweitälteste. Auch wenn er zur Entlastung Regensburgs konzipiert wurde - heute ist er weit mehr: Er ist das Zentrum der psychiatrischen Versorgung der Nordoberpfalz durch die medbo.

Der Begriff "Wöllershof" bezieht sich auf den Namen eines Gutshofs im gleichnamigen Dorf, das seit 1972 zur Gemeinde Störnstein, Landkreis Neustadt an der Waldnaab, gehört. Im Prinzip war das Dorf Wöllershof mit diesem landwirtschaftlichen Betrieb identisch. Wie für Heil- und Pflegeanstalten in der damaligen Zeit normal, übernahm das Gut Wöllershof später gleich auch die Grundversorgung der "Nervenheilanstalt Wöllershof". 

Erbaut wurde die Krankenhausanlage Wöllershof in der Hoch-Zeit des Jugendstils. Und dieser ist in Alt-Wöllershof und den einzelnen "Villen", die im parkähnlichen Gelände verteilt sind, noch eindrucksvoll erkennbar. Die architektonische Basis war damals die sogenannte Pavillon-Bauweise, die die grundlegend neue therapeutische Idee der Wohngemeinschaft einer kleinen Patientengruppe im Rahmen einer Station aufgreift. Wohnort dieser fast familiären Gemeinschaften war jeweils ein Stockwerk oder ein Flügel der kleinen Jugendstil-Villen.

Bewegte Zeiten

Stefan Krischker, Qualitätsmanagementbeauftragter der medbo, kennt die Geschichte Wöllershofs wie kaum ein anderer. Er hat sie anläßlich des 100-jährigen Bestehens des Standorts zusammengetragen.

1911: Heil- und Pflegeanstalt

1907 
Beschluss des Kreistags Oberpfalz (Vorläufer des Bezirks) zum Bau einer zweiten „Heil- und Pflegeanstalt“, unter anderem auf Anregung von Dr. Johannes Feldkirchner, dem Ärztlichen Direktor der Regensburger Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll, da Regensburg entlastet werden solle.

Der Kreistag hatte 1906 das Gut Wöllershof erworben. Der Betrieb wird 1602 erstmals urkundlich als "Meierei" (also als Milchbetrieb) erwähnt, wurde aber schnell zu einem großen landwirtschaftlichen Gutshof aufgebaut. Der Kreistag Oberpfalz bewirtschaftet Wöllershof als Bezirksverbandsgut.

1909-1911 
Auf dem großen Gelände des Bezirksverbandsguts Wöllershof entsteht in einer ersten Bauphase die „Heil- und Pflegeanstalt Wöllershof“ für 300 Kranke. Grund für die Wahl: Eine eigene, gesunde Wasserquelle. 

Die zweite Bauphase zur Erweiterung auf 600 Betten wurde nie realisiert.

1911
Im Juli nimmt die Anstalt den Betrieb auf. Ab Oktober werden etwa 100 „Pfleglinge“ aus Regensburg zuverlegt. Ab Anfang 1912 sind etwa 250 Patient:innen untergebracht.

1920
Im Juli beschließt der Kreistag die Auflösung der Anstalt. Die Patient:innen werden nach Regensburg in das gründlich renovierte Karthaus-Prüll gebracht oder entlassen. 

Ab Ende 1920 steht Wöllershof leer.

1921: Kindererholungsheim

1921-1931 
Im Februar 1921 erfolgt die Verpachtung der Heil- und Pflegeanstalt Wöllershof an die Bayerische Landeshauptfürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene zur „Errichtung eines Kindererholungsheimes oder für andere Zwecke der Kriegsbeschädigten oder Kriegshinterbliebenenfürsorge“. 

Schon im Mai 1921 waren 570 Kinder untergebracht, bald darauf war Wöllershof mit 800 bis 1.000 Kindern voll belegt. Insgesamt besuchten bis 1931 mehr als 40.000 Kinder das Kindererholungsheim.

Im Mai 1931 wurde der Pachtvertrag gekündigt. Die Gemeinden waren in der Wirtschaftskrise zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen und schickten keine Kinder mehr zur Erholung.

1932 
Wöllershof steht abermals leer.

1933: Nationalsozialismus

1933-1935 
Wöllershof ist eines von 13 Lagern der „Österreichischen Legion“ mit etwa 2.000 Soldaten (vermutlich der paramilitärischen Sturmabteilung SA) und über 300 Kraftfahrzeugen. In der Legion wurden aus Österreich geflohene Nationalsozialisten paramilitärisch ausgebildet. 

1935-1936 
Wöllershof gehört zur Heeresstandortverwaltung Weiden und dient als Kaserne.

1937 
Die Schutzstaffel (SS) nutzt Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude für eine Betreuungs- und Sammelstelle für auslandsdeutsche Arbeiter, wahrscheinlich eine Tarnadresse für eine SA-Schule.

1938-1943 
Nach aufwändigen Umbauten zur Reichsfinanzschule beginnt der erste Lehrgang im Januar 1938. In dieser Zeit entsteht auch der heute noch genutzte Festsaal.

1943-1945 
Wöllershof dient als Reservelazarett.

1945: Nachkriegszeit & Wiederaufbau

1945-1946 
Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen am 22. April 1945 wird Wöllershof das „military hospital 209“ zur Versorgung verletzter Kriegsgefangener.

1946-1950 
Die Kriegsopferversorgungsbehörde betreibt das „Versehrtenkrankenhaus Wöllershof“ mit 500 Betten zur Behandlung von Kriegsversehrten.

1950-1960 
Aus dem Versehrtenkrankenhaus wird eine Versehrtenheilstätte für lungenkranke Kriegsteilnehmer beziehungsweise aus der Gefangenschaft heimkehrende Soldaten. Es entstehen nacheinander eine Fachklinik für konservative Pulmologie und eine Fachklinik für Thoraxchirurgie.

1961-1977 
Unter der Bezeichnung „Versorgungskrankenhaus“ werden lungenkranke Patient:innen – überwiegend Kriegsopfer – in Wöllershof behandelt. Nachdem deren Zahl kontinuierlich zurückging, zeichnete sich ab 1974/75 die Frage nach dem Fortbestand ab.

1963 entsteht eine architektonisch besondere Simultankapelle auf dem Gelände von Wöllershof, die für katholische und evangelische Gottesdienste zur Verfügung steht. Sie dient als Krankenhauskirche, aber auch dem Nachbar-Dorf Reiserberg als Gotteshaus.

1978: Zurück zu den Wurzeln

1978 
Der Bezirk Oberpfalz übernimmt das Krankenhaus vom Freistaat Bayern und führt es als „Bezirkskrankenhaus Wöllershof“ (BKH). Vom Versorgungskrankenhaus wird nur die überregional bekannte Fachklinik für Thoraxchirurgie mit 70 Betten weitergeführt .
Knapp 60 Jahre nach der Schließung der Heil- und Pflegeanstalt beginnt der Aufbau als modernes psychiatrisches Fachkrankenhaus für die Versorgung der Bevölkerung in der nördlichen Oberpfalz .

1985 
Die Fachklinik für Thoraxchirurgie wird geschlossen. Damit endet die Ära als Lungenklinik nach 35 Jahren. Die psychiatrische Klinik wird weiter ausgebaut.

2000 
Das BKH Wöllershof wird Teil des Eigenbetriebs „Kliniken und Heime des Bezirks Oberpfalz“. 

2003 
Das Bezirkskrankenhaus Wöllershof führt die Bezeichnung „Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Fachklinik für Abhängigkeitserkrankungen (Rehabilitation)“.

2006 
Das BKH Wöllershof wird Teil der „Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz GmbH“. 

2011

Im Jubiläumsjahr: Einweihung des neuen Klinikgebäudes HAUS 14 mit 128 Betten.

2013
Aus dem Bezirkskrankenhaus wird aufgrund seiner Größe und Versorgungsbedeutung in der Region das Bezirksklinikum Wöllershof.