„In dieser Woche sind unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur mit dabei, sie sind zuständig. Und genau das macht sie examensfit: entscheiden, priorisieren, Verantwortung tragen“, sagt Karina Grahlmann, angehende Medizinpädagogin an den medbo Pflegeschulen.
Dienstplanung, Abstimmung im Team, Pflegeorganisation: Für eine Woche liegt der Stationsalltag auf zwei Stationen am medbo Bezirksklinikum Regensburg in den Händen von Auszubildenden der medbo Pflegeschulen. „Die Schüler sollen sicherer werden, ihre Kompetenzen weiterentwickeln und den Stationsalltag als Ganzes verstehen.“ Im Projekt „Schüler leiten eine Station“ steuern sie Abläufe eigenständig und lernen, Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen und Verantwortung zu tragen. Eine intensive Generalprobe für Examen und Berufsalltag.
Leitung auf Probe
Konkret übernehmen Pflegeazubis im dritten Ausbildungsjahr die Leitung im Zentrum für Neuro-Rehabilitation (Station 14a) und im Zentrum für Altersmedizin (Station 23b). 18 Schülerinnen und Schüler arbeiten im Früh- und Spätdienst, der Nachtdienst bleibt beim regulären Stationsteam. Für die Dauer einer Woche liegt die Verantwortung für die Patientenversorgung bei den angehenden Pflegefachkräften.
Lernen unter realen Bedingungen
Der Unterschied zum üblichen Praxiseinsatz ist deutlich: Die Auszubildenden planen ihren Arbeitstag selbst, setzen Prioritäten und tragen Verantwortung für Abläufe und Entscheidungen. Rollen wie Stationsleitung, Schichtleitung und Praxisanleitung wurden bewusst an die Schülerinnen und Schüler vergeben.
„Die Verantwortung ist eine ganz andere“, so die Projektinitiatorin. „Die Schüler müssen überlegen: Was mache ich wann? Wie plane ich so, dass am Ende der Schicht alles erledigt ist?“
Ein Vorbereitungstag half, Unsicherheiten abzufedern, denn nicht alle kannten die Stationen oder Abläufe. Dennoch blieb Respekt vor der Aufgabe.
Vom Schüler zur Fachkraft
Felix, als Schichtleitung auf der 14a eingesetzt, beschreibt den Rollenwechsel klar:
„Am besten gefällt mir, wie viel wir selbstständig arbeiten können. Die Umstellung von Schüler zu Fachkraft ist enorm, aber sehr positiv.“
Auch Nicole, die die Rolle der Praxisanleitung auf der 14a übernommen hat, erlebt die Woche als Einschnitt: „Den ganzen Ablauf zu organisieren, das hatte ich bisher noch nie. Die Verantwortung ist neu, aber genau das macht es spannend.“
Vertrauen stärkt Kompetenz
Louisa, eingesetzt im Frühdienst auf der 14a am medbo Zentrum für Neuro-Reha, hatte zunächst Zweifel:
„Ich hatte Angst, komplett allein oder in Notfallsituationen überfordert zu sein. Aber das war überhaupt nicht so. Ich konnte immer jemanden fragen.“
Ihr Fazit nach dem Dienst: anstrengend, aber erfolgreich. „Man ist an dem Tag kein Schüler mehr.“
Auch im Zentrum für Altersmedizin (beschützende Gerontopsychiatrie, Station 23b) erlebten die Auszubildenden die Woche als intensiven Lernraum. Medikamentenkontrollen, Deeskalation und eigenständige Patientenversorgung gehörten hier zum Alltag. Gleichzeitig zeigte sich, wie wichtig funktionierende Teamarbeit ist.
„Ich war sehr überrascht, wie gut die Zusammenarbeit hier funktioniert hat. Man arbeitet eng zusammen und lernt sich durch das Projekt richtig gut kennen“, sagt Joline, Pflegeazubi auf der 23b.
Fachkräfte stets an der Seite
Die Profis hatten frei? Mitnichten. Zwar hieß das Prinzip dieser besonderen Woche: „Schüler leiten eine Station“. Aber jedem Schüler-Tandem war eine erfahrene Pflegekraft fest zur Seite gestellt. Sie kannte ihren Bereich, beobachtete, unterstützte, griff aber nur ein, wenn es nötig wurde. Bei Alarm oder ernster Lage sprangen die Routiniers prompt ein. Besonders schwerwiegende Fälle auf Station blieben gleich im Verantwortungsbereich des Stammpersonals. Für die Fachkräfte selbst war es eine neue Erfahrung: Ihre Rolle wechselte zwischen Beobachter im Hintergrund und Rettungsanker. Immer bereit, aber nur auf Zuruf im Einsatz. So blieb eines garantiert: Die Sicherheit der Patienten hatte zu keiner Zeit Pause.
Schnelle Entwicklung, klare Perspektive
Schon nach wenigen Tagen zeigte sich ein deutlicher Lernfortschritt.
„Am ersten Tag war vieles noch ungewohnt“, berichtet Lehrkraft Karina Grahlmann. „Am zweiten Tag hatte ich bereits den Eindruck, wie fit die Schüler geworden sind.“
Die Rückmeldungen sind eindeutig: Das Projekt soll fortgeführt werden. Viele wünschen sich sogar eine längere Laufzeit, um die neue Rolle weiter zu festigen.