Ein Kopfhörer, Stimmen im Ohr – und eine einfache Aufgabe, die plötzlich schwerfällt. Ein fester Terminplan, klare Lernaufträge – und ein Stationsalltag, der für Auszubildende nicht mehr wie ein Sprung ins kalte Wasser wirkt. Zwei Ansätze, ein gemeinsames Ziel: Pflegeausbildung bei der medbo so zu gestalten, dass sie Sicherheit gibt, Verständnis schafft und im Alltag funktioniert.
Genau dafür wurden mehrere medbo Mitarbeitende nun ausgezeichnet: Lisa Forster und Sarah Niedermeier von der medbo Parsberg sowie Helena Wein von der medbo Regesburg. Die drei Pflegekräfte und Praxisanleiterinnen erhielten den Praxisanleiterbonus des Bayerischen Landesamts für Pflege. Für die zwei Konzepte, die die Praxisanleitung strukturiert und alltagstauglich am Stationsgeschehen gestaltet, gab es je 10.000 Euro.
Parsberg: Struktur, die Orientierung schafft
„Die besten Konzepte entstehen nicht am Schreibtisch, sondern dort, wo Ausbildung tatsächlich stattfindet: auf Station, im Gespräch und gemeinsam mit den Auszubildenden“, sagt Lisa Forster. In Parsberg hat sie mit Ihrer Kollegin Sarah Niedermeier über mehrere Jahre ein strukturiertes Praxisanleitungskonzept aufgebaut, das Auszubildenden von Beginn an Orientierung gibt.
Zentrale Anleitungstermine, feste Abläufe und klar formulierte Lernaufträge sorgen dafür, dass Inhalte vorbereitet, im Stationsalltag erprobt und anschließend gemeinsam reflektiert werden. „Viele Auszubildende kommen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen in den Einsatz“, sagt Lisa Forster. „Uns ist wichtig, diese früh aufzugreifen und einzuordnen – damit Sicherheit entsteht, bevor der psychiatrische Stationsalltag beginnt.“ Ihre Kollegin Sarah Niedermeier betont: „Praxisanleitung braucht Zeit und Struktur. Sie muss im Alltag funktionieren – sonst verpufft sie. Nur so können Auszubildende Zusammenhänge verstehen und sich im Arbeitsalltag sicher bewegen.“
Regensburg: Selbsterfahrung, die Verständnis auslöst
Am medbo Bezirksklinikum Regensburg setzt Helena Wein auf einen anderen Hebel: Selbsterfahrung als Lerninstrument. Ihre Gruppenanleitung zum Krankheitsbild Schizophrenie macht erlebbar, wie belastend akustische Halluzinationen sein können. Über eine Audiodatei hören Auszubildende Stimmen und Geräusche, während sie parallel einfache Aufgaben lösen oder sich unterhalten sollen. Was zuerst machbar wirkt, wird schnell anstrengend – Konzentration fällt schwer, Unsicherheit entsteht.
Wein formuliert ihren Ansatz ganz klar: „Schizophrenie kann man zwar theoretisch beschreiben und erklären, echtes Verständnis entsteht aber nur, wenn man die Erkrankung aus der Betroffenenperspektive betrachtet.“ Nach der Übung kommen die Reflexion und der Transfer in die Pflegepraxis: „Wir sprechen darüber, welche Situationen besonders herausfordernd waren oder wie sich die Stimmen angefühlt haben“, sagt Wein. „Und mit am wichtigsten: Wir leiten gemeinsam ab, was das für den Umgang mit Patientinnen und Patienten bedeuten kann, die diese Belastung nicht nur für kurze Zeit, sondern dauerhaft erleben.“