„Psychische Gesundheit entscheidet darüber, ob jemand arbeiten kann, Familie tragen kann, am Leben teilnimmt“, betont Franz Löffler, Bezirkstagspräsident der Oberpfalz. „Mit Parsberg stärken wir die Versorgung dort, wo sie gebraucht wird: verlässlich, wohnortnah und so aufgestellt, dass ambulante, tagesklinische und stationäre Behandlung ineinandergreifen.“ Damit setzt der Bezirkstagspräsident der Oberpfalz bei der Eröffnung des neuen medbo Zentrums für Psychosomatik und Psychiatrie in Parsberg den Ton: Es geht um niederschwellige und bedarfsgerechte Versorgung in psychischen Notlagen. Um ein neues Angebot, das in der Region lange gefehlt hat. 25 vollstationäre Betten, 10 teilstationäre Plätze und die angebundene PIA – alles gebündelt in einem neuen, modernen Zentrum, baulich verbunden mit dem Haus der Gesundheit.
Füracker: Investitionen, die tragen
Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker hat einen ganz besonderen Bezug zur Stadt. „Als gebürtiger Parsberger freut es mich zu sehen, dass in meiner Heimat etwas entstanden ist, das dauerhaft trägt.“ Entscheidend sei, dass aus Planung verlässliche Versorgung wird. Mit Strukturen, die im Alltag funktionieren. „In Parsberg sehen wir heute deutlich, was möglich ist, wenn Partner vor Ort an einem Strang ziehen und der Freistaat die Rahmenbedingungen finanziell mit absichert. Am Ende zählt, dass die Menschen in der Region sich auf eine stabile Versorgung verlassen können. Ich danke allen Beteiligten, die dieses Projekt ermöglicht haben“, betont Füracker.
Insgesamt sind rund 20,4 Millionen Euro in den Neubau geflossen. Der Freistaat Bayern fördert mit rund 14,6 Millionen Euro, die Stadt Parsberg hat sich mit 400.000 Euro für die Parkgarage beteiligt. Rund 5,4 Millionen Euro tragen der Bezirk Oberpfalz und die medbo aus Eigenmitteln.
Psychiatrische Ambulanz in Parsberg: 45 Prozent mehr Fälle
„Wir fangen hier keinesfalls bei null an“, sagt Franz Löffler. 2017 eröffnete die medbo eine Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) in Parsberg. 2025 wurden dort rund 2.900 ambulante Fälle behandelt. „Die Fallzahlen sind in den letzten fünf Jahren um rund 45 Prozent gestiegen“, berichtet der Bezirkstagspräsident. Das neue Zentrum sei auch daher eine dringend benötigte Erweiterung des Angebots: „Mit einer Versorgungskette, die je nach Bedarf trägt: ambulant; tagesklinisch oder auch stationär, wenn medizinische Begleitung rund um die Uhr gebraucht wird“, sagt Löffler.
Psychosomatik: Mensch als Ganzes betrachten
„Die Nachfrage war von Anfang an hoch – das hat uns bestärkt, weiterzudenken“, sagt Dr. Dr. Helmut Hausner. Er ist Vorstand der medbo und lenkt die Geschicke des kommunalen Gesundheitsunternehmens mit mittlerweile rund 4.000 Mitarbeitenden an acht Standorten. Und dennoch: Seinen Arztkittel hat Hausner nie ganz abgelegt. „Mein Herz gehört der Medizin“, sagt er. So hat der gelernte Jurist und Psychiater bereits parallel zu seiner Vorstandstätigkeit in der PIA Parsberg weiter Sprechstunden übernommen. Im neuen Zentrum wird Dr. Dr. Helmut Hausner sogar als Chefarzt tätig werden. Vorstand und Versorger in Personalunion: Kein Widerspruch, sondern vielmehr eine sinnvolle Kombination, findet er. „Den klinischen Alltag und die gesamtunternehmerische Seite gleichermaßen zu kennen, ist enorm wertvoll. Es hält den Blick dort, wo er hingehört. Bei den Patienten.“
Den medizinischen Schwerpunkt des neuen Zentrums sieht der Chefarzt vor allem im Bereich der Psychosomatik. Also genau jene Behandlungsfälle, bei denen Beschwerden nicht „nur körperlicher“ oder „nur psychischer“ Natur sind. „Wir betrachten hierbei den Menschen als Ganzes – Psyche und Körper beeinflussen sich gegenseitig“, sagt Hausner. Ob chronische Schmerzen, Burnout oder Erschöpfungszustände: Die Psychosomatik ist dafür die richtige Anlaufstelle.
Breites Netzwerk statt einsame Insel
In der dualen Klinikleitung wird Maximilian Dietl als „Leitung Patienten- und Pflegemanagement“ gemeinsam mit dem Chefarzt die Klinik führen. Beide wollen Parsberg nicht als isolierte Insel sehen, sondern als Standort mit Anbindung an das gesamte medbo-Netzwerk mit universitärer Medizin, dem hauseigenen Bildungsinstitut und modernsten Methoden, die regional verfügbar werden sollen. „Wir legen nicht nur großen Wert auf die fächerübergreifende Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Disziplinen, sondern bringen sämtliche Behandlungsmethoden und Therapieansätze nach Parsberg, die der individuelle Patient braucht“, so Hausner.
Daraus ergibt sich auch ein breites therapeutisches Spektrum: Zum Beispiel Neurofeedback: ein Verfahren, das dem Patienten ermöglicht, die eigene Gehirnaktivität am Bildschirm zu sehen und zu lernen, innere Unruhe, Anspannung oder Stress gezielt zu beeinflussen. Auch die Transkranielle Magnetstimulation (TMS) findet Anwendung – eine schonende Methode, bei der bestimmte Hirnregionen mithilfe schwacher Magnetimpulse aktiviert werden. Hausner: „Gerade bei Depressionen kann das helfen. Besonders dann, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben.“
Das neue medbo Zentrum für Psychosomatik und Psychiatrie Parsberg