Kunst entsteht überall. Aber Kunst mit Anspruch braucht seelische Tiefe. Eine Tiefe, die auf Lebenserfahrung fußt. Und gerade schwere Krisen und psychische Erschütterungen sind eine sehr intensive Lebenserfahrung.
Wir - das Team der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) am medbo Bezirksklinikum Wöllershof - schaffen mit unserer Galerie PIArt einen analogen und gleichzeitig virtuellen Raum für in diesem Sinn besondere Kunst. Einer Kunst des Lebens und manchmal auch Überlebens.
Bei uns zeigen Künstler:innen der Öffentlichkeit Werke, die einen persönlichen und/oder professionellen Bezug zu Krisen und seelischen Extremerfahrungen haben.
Denn Kunst ist eine Sprache, die auch dann noch greift, wenn Worte alleine nicht mehr ausreichen.
Die Exponate in unserer Galerie verbinden deshalb nicht nur handwerklichen und künstlerischen Anspruch – sie berühren und ermöglichen intensiven Austausch zwischen denen, die sie erschaffen haben, und denen, die sie betrachten.
Organisatorisch unterstützt wird die PIArt-Galerie von den Kunstsachverständigen des Bezirks Oberpfalz, der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Nordoberpfalz sowie der Selbsthilfekontaktstelle Nordoberpfalz - Seko NOpf.
Die PIArt-Galerie ist im Erdgeschoss-Westflügel HAUS 14 des Bezirksklinikums Wöllershof verortet, dem großen zentralen Klinikgebäude, wo sich auch die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) befindet. Die Ausstellungen sind werktags zu den Öffnungszeiten der PIA - kostenfrei - zu besichtigen. Hinweise zur Anfahrt zum und zur Lage der Gebäude am Bezirksklinikum finden Sie auf unseren Standortseiten Wöllershof.
Emil Schicker, geboren 1926 in Mähring (Landkreis Tirschenreuth), war zeitlebens ein begeisterter und äußerst produktiver Maler und Zeichner. Gefühlt fast jedes Haus in seiner Heimatgemeinde wird von einem seiner Originale geschmückt.
Geprägt von Kriegserfahrungen und verbunden mit einschneidenden familiären Verlusten versuchte er, von starker Religiosität getragen, dem Leben dennoch möglichst positiv zu begegnen. Dabei trug ihn sein kreativer Blick durch so manche seelische Erschütterung. Seine Motive fand er in der Natur und bei den Menschen seiner Umgebung. Auch seine heißgeliebte Landwirtschaft und religiöse Themen fanden Einzug in sein Werk.
Als er infolge einer beginnenden Demenz ins Seniorenheim umziehen musste, malte er nach einer kurzen Schaffenspause unbeirrt weiter, wenngleich das dementielle Erleben seinen Malstil vom bisherigen realistischen Stil zu einem eher kindlichen Ausdruck hin veränderte. Gleichzeitig erhielt er dadurch aber auch eine größere künstlerische Freiheit. Der ursprünglich vor allem von harter Arbeit und Pflichtbewusstsein geprägte Künstler konnte nun unbekümmert lange verschüttete Gefühle zulassen und zeigen. Die Demenz erlaubte ihm, neue Dimensionen zu erkunden, und so gab ihm die nun ungebremste Kreativität viel Kraft auf seinem letzten Lebensweg.
Eine künstlerische Familiengeschichte
2018 ist Emil Schicker über 90-jährig verstorben, 2026 jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal. Er hat nicht nur eine beeindruckende Menge an Werken hinterlassen, sondern gleich mehreren seiner Nachkommen sein kreatives Talent weitergegeben. Seine Tochter Karin Achatz, seine Enkelin Eva Achatz und seine Ur-Enkelin Sophie Grüner sind einige davon.
Deshalb ist diese Ausstellung, die Werke aller dieser begabten Familienmitglieder vereint, ein Postulat der Hoffnung – ein Zeichen dafür, dass zwischen Schwarz und Weiß alle Farben liegen und die kreative Aufarbeitung von Leid und Trauma die schönsten Blüten hervorbringen kann.
----------------
Die Ausstellung wird am 24. September 2026 um 19:00 Uhr mit einer Vernissage in der PIArt-Galerie HAUS 14 am Bezirksklinikum Wöllershof eröffnet, an der Interessierte kostenfrei und ohne Anmeldung teilnehmen können.
Die Bilder sind dort dann bis einschließlich 13. November 2026 während der üblichen Öffnungszeiten der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA - HAUS 14 EG) - ebenfalls kostenlos - zu besichtigen.
Die Ausstellung findet nicht zuletzt auch im Rahmen der 7. Bayerischen Demenzwoche statt.
Die auf dieser Seite gezeigten Kunstwerke, deren Titel sowie die wörtlichen Zitate in den redaktionellen Texten sind das geistige Eigentum der in den Bildtiteln zitierten Künstler:innen und unterliegen den gültigen Urheberrechten. Ohne die ausdrückliche Genehmigung der Künstler:innen dürfen sie weder anderweitig gespeichert, verwendet, verfremdet, vervielfältigt, noch an Dritte weitergegeben werden. Dies gilt sowohl für private als auch geschäftliche Zwecke.
Sämtliche sonstigen Texte, Bilder und gestaltete Details dieser Seite und des gesamten Internetauftritts medbo.de gehören der medbo KU. Hier finden Sie Hinweise zum Copyright.