Nach dem zweiten Tag war klar: Er bleibt in der Pflege

2020 bricht Tobias Bauer seine Ausbildung zum Fertigungsmechaniker ab, heute steht der 23-Jährige kurz vor seinem Examen zum Pflegefachmann

Tobias Bauer wollte eigentlich nur ein Praktikum machen. Vielleicht auch mehrere. Pflege gehörte ursprünglich nicht zu seinen Plänen. „Ich habe am Anfang gar nicht gedacht, dass mir das gefällt“, sagt der 23-Jährige heute. Im Januar 2020 bricht Bauer seine Ausbildung zum Fertigungsmechaniker im ersten Jahr ab. „Es hat mir einfach nicht mehr gefallen.“ Einen konkreten Plan für die Zukunft hat er damals nicht. Also probiert er etwas aus, das er sich vorher selbst kaum vorstellen konnte: ein Pflegepraktikum in einer Regensburger Klinik. 

Danach wollte er sich auch noch andere Berufe anschauen. Doch dazu kommt es nicht mehr. „Nach dem zweiten Tag habe ich gesagt: Das ist es.“ Es folgt ein Freiwilliges Soziales Jahr und eine Pflegehelferausbildung. Beides absolviert er am medbo Bezirksklinikum, wo er später auch in verschiedenen Bereichen arbeitet. Im April 2024 beginnt schließlich die dreijährige Ausbildung zum Pflegefachmann. Heute steht Tobias Bauer kurz vor seinem Examen an den medbo Pflegeschulen.

„Ich bin da eigentlich Schritt für Schritt reingewachsen“, sagt er. Dass er einmal in der Pflege arbeiten würde, habe ihn selbst überrascht. Auch seine Familie habe damit zunächst nicht gerechnet. „Meine Eltern fanden das sofort super“, erzählt Bauer. „Die hätten sich das vorher selbst nie gedacht, dass mir Pflege einmal so gefällt.“

Wenn Menschen plötzlich wieder laufen
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Einsatz auf der Intensivstation im medbo Zentrum für Neurologische Rehabilitation. Dort erlebt er Patientinnen und Patienten unmittelbar nach schweren Schlaganfällen, Hirnblutungen oder Hirntraumata. Manche kommen beatmet. Wochenlang ist unklar, wie es weitergeht.

„Und dann verlassen manche die Station irgendwann wieder zu Fuß“, sagt Bauer. „Das finde ich einfach faszinierend.“

Gerade diese Entwicklung lässt ihn bis heute nicht los. Menschen über längere Zeit zu begleiten. Zu sehen, wie sie langsam Fähigkeiten zurückgewinnen. Und Teil dieses Weges zu sein. „Dass wir im Team Menschen so helfen können, das ist schon beeindruckend.“

Dass Pflege deutlich mehr ist als Körperpflege oder Routineaufgaben, erlebt Bauer inzwischen jeden Tag. Im dritten Ausbildungsjahr übernimmt er unter Anleitung bereits viele Tätigkeiten selbstständig: Blutabnahmen, EKGs, Medikamentengabe oder die Versorgung komplexer Patientensituationen. „Du brauchst medizinisches Wissen, musst Zusammenhänge verstehen und in Notfallsituationen reagieren können“, sagt er.

Lernen, bis es sitzt
Im Laufe der Ausbildung lernt Bauer viele unterschiedliche Bereiche kennen, von neurologischer Rehabilitation über Intensivpflege bis hin zur Versorgung älterer oder chronisch kranker Menschen.

Nicht jeder Einsatz passe dabei gleich gut zu ihm. „Ich merke schon, dass mir Akutstationen einfach mehr liegen“, sagt er. Besonders interessiert ihn die Arbeit in komplexen medizinischen Situationen, etwa auf neurologischen Stationen oder Intensivbereichen.

Auch fachlich habe sich sein Blick auf den Beruf mit der Zeit verändert. „Am Anfang war Blutdruckmessen schon total aufregend“, erzählt Bauer. „Und dann entwickelt sich das immer weiter.“ Mit jedem Einsatz wachse nicht nur das Wissen, sondern auch die Sicherheit im Umgang mit Patientinnen und Patienten.

Entscheidend ist das Team
Dass Pflege weiterhin überwiegend weiblich geprägt ist, erlebt Bauer im Alltag entspannt. „Ich glaube manchmal sogar, dass es strukturierter läuft, wenn viele Frauen im Team sind“, sagt er und lacht. Entscheidend sei für ihn ohnehin etwas anderes: „Man muss einfach gut zusammenarbeiten.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Patient aus seiner Zeit auf der Intensivstation. Der Mann war nach einem schweren Herzinfarkt zunächst mehrere Tage bewusstlos.

„Als er wieder bei Bewusstsein war, hat er sich für alles bedankt“, erzählt Bauer. „Das bleibt einem schon im Kopf.“

Der nächste Schritt
Nach dem Examen möchte Tobias Bauer zunächst weiter praktische Erfahrung sammeln. Besonders die Intensivpflege interessiert ihn weiterhin. Festlegen will er sich trotzdem noch nicht ganz. „Vielleicht kommt irgendwann noch einmal ein Geistesblitz“, sagt er und lacht.

Im Moment kann er sich seinen beruflichen Weg aber gut in der Pflege vorstellen. Vor allem hofft er, dass sich mehr junge Menschen trauen, den Beruf überhaupt kennenzulernen. Pflege werde oft unterschätzt, sagt Bauer. Viele hätten ein falsches Bild davon. „Man sollte einfach die Ausbildung machen, worauf man Lust hat“, sagt er. „Und wenn man noch nicht genau weiß, was man machen will, dann sollte man sich Pflege wenigstens einmal anschauen. Genau so war es bei mir auch.“