450 Patientinnen und Patienten pro Jahr, mehr als 330 Mitarbeitende und eine bundesweite Vorreiterrolle seit 1996: Die Neurologische Rehabilitation am medbo Bezirksklinikum Regensburg prägt die Versorgung in Ostbayern seit drei Jahrzehnten. Das Jubiläums-Symposium blickt aber nicht nur auf eine besondere fachliche Entwicklung zurück. Es erinnert auch an den kürzlich verstorbenen Gründer und langjährigen Ärztlichen Direktor der Klinik Dr. Gerhard Weber, der diesen Aufbau maßgeblich vorangetrieben hat. „Dr. Weber hat Brücken gebaut, wo andere Grenzen sahen. Dass diese Brücken bis heute tragen, ist sein Vermächtnis. Dafür gebührt ihm unser Respekt, unser Dank und unser ehrendes Erinnern“, sagt Bezirkstagspräsident Franz Löffler.
Löffler: „Kaum Vorbilder, viel Bedarf“
Die Geschichte der Regensburger Neurologischen Rehabilitation beginnt in einer Zeit, in der sich die Überlebenschancen nach Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Traumata und anderen schweren Hirnschädigungen durch moderne Medizin und schnellere Rettungswege deutlich verbesserten. Gerade deshalb brauchte es neue Antworten auf die Frage, wie Menschen nach der Akutbehandlung weiter versorgt werden können – wenn selbstständiges Atmen oder Schlucken, Sprache oder Bewegungsfähigkeit neu erarbeitet werden müssen. „In den 90ern gab es selbst international kaum Vorbilder – aber sehr viel Bedarf“, erinnert Bezirkstagspräsident Franz Löffler, „Dr. Weber hat genau hier angesetzt. Er hat aufgebaut, wo zunächst wenig vorhanden war.“
Erste Klinik mit allen Reha-Phasen
Unter Dr. Webers ärztlicher Leitung wurde 1995 die Klinik für Neurologische Rehabilitation am Bezirksklinikum Regensburg gegründet. Damals eine der ersten Reha-Kliniken bundesweit, die mehrere Behandlungsstufen unter einem Dach ermöglichte: von der frühen Rehabilitation schwer betroffener Patientinnen und Patienten (Phase B, inklusive der Beatmungsentwöhnung) über die weiterführende Rehabilitation (Phase C) bis hin zur weiteren Stabilisierung und idealerweise Reintegration in den Alltag (Phase D), aber auch bis zur aktivierenden Langzeitpflege (Phase F). Auch darüber hinaus setzt der Standort früh Akzente: Angehörigenzimmer gehören in Regensburg von Beginn an dazu – damals alles andere als selbstverständlich.
„Doktortitel für Menschlichkeit“
Aus dem frühen Modell wächst Schritt für Schritt eine tragende Struktur: Zum Beispiel mit der Eröffnung einer Intensivstation im Jahr 2005. Oder 2008 mit der Eröffnung des Neurologischen Nachsorgezentrums. Diese neuartige Ergänzung des klinischen Versorgungsangebots geht auf die Initiative des Vereins zweitesLEBEN zurück, bei dem Weber selbst im Jahr 2000 Initiator und Gründungsmitglied war. Zudem war er in mehreren bundesweiten Fachgremien vertreten, oftmals auch als Gründungsmitglied. Für sein weitreichendes Engagement für Menschen mit Schlaganfall und Schädelhirnverletzungen erhielt Dr. Weber 2014 das Bundesverdienstkreuz. Von seinen Mitarbeitenden erhielt er zum 60. Geburtstag zudem eine weitere, besondere Auszeichnung: „Gäbe es einen Doktortitel für Menschlichkeit, wüssten wir, wem wir den verleihen würden“, heißt es in dem Glückwunschschreiben an „ihren Chef.“
Mensch nach Akutphase mitdenken
Nach 38 Jahren am medbo Bezirksklinikum, davon 20 Jahre als Ärztlicher Direktor, ging Weber 2015 in den Ruhestand. „Er hat sich aber nie wirklich verabschiedet“, sagt medbo-Chefarzt Prof. Dr. Felix Schlachetzki. Ob als Dozent in der Aus- und Weiterbildung, als kollegialer Ansprechpartner oder vor allem als Patientenfürsprecher: „Er war weiter da – mit seiner Erfahrung, mit seiner Klarheit und mit ehrlichem Interesse an den Menschen und an der Entwicklung des Fachs.“ Auch das Jubiläums-Symposium hatte Schlachetzki noch gemeinsam mit Weber geplant. Nach dessen Tod im Januar widmete er die Veranstaltung dem Klinikgründer. „Dr. Gerhard Weber hat die neurologische Rehabilitation in Regensburg mit großer fachlicher Weitsicht und viel Beharrlichkeit aufgebaut. Er hat nicht nur Strukturen geschaffen, sondern auch einen Anspruch formuliert: interdisziplinär zu arbeiten und immer den Menschen nach der Akutphase mitzudenken. Genau das trägt unsere Arbeit bis heute“, sagt Schlachetzki.
Innovation und Austausch
Das Symposium bleibt deshalb nicht beim Rückblick stehen. Das Fachpublikum aus dem gesamten Versorgungsraum beschäftigt sich mit aktuellen (Zukunfts-)Fragen der neurologischen Rehabilitation. Etwa in der Sprachtherapie, von Teletherapie bis zu KI-gestützten Ansätzen. Für Menschen mit Aphasie, also einer erworbenen Sprachstörung etwa nach Schlaganfall oder Hirnverletzung, können solche Anwendungen zusätzliches Üben zu Hause erleichtern, Sprache gezielter trainieren und Kommunikation im Alltag unterstützen. Aktuelle Projekte arbeiten dazu an KI-gestützten Kommunikationshilfen und an Spracherkennung, die auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Aphasie ausgerichtet ist Ein weiterer Themenschwerpunkt des Symposiums liegt auf ethischen Fragen der Therapiezielfindung in der neurologischen Früh-Reha – also auf der Frage, wie in besonders schweren Krankheitsverläufen tragfähige und verantwortbare Behandlungsziele festgelegt werden können. Darüber hinaus greift das Programm weitere Themen auf, etwa neue Ansätze in der Neuro-Rehabilitation bei Morbus Parkinson, die Rehabilitation von Menschen mit Querschnittlähmung oder Weiterbildungsmöglichkeiten im Fachgebiet.
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Text: medbo KU / Johannes Müller
Fotos: medbo KU / Katharina Tenberge-Holzer