Es war ein bereits lang gehegter Wunsch des Ärztlichen Direktors des medbo Bezirksklinikums Wöllershof (BKW), Prof. (OTH) Dr. Markus Wittmann, das Krankenhaus für Kunst und Kultur zu öffnen. Mit der neu eingerichteten PIArt-Galerie im Umfeld der Wöllershofer Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) ging dieser Wunsch mit der Eröffnung einer ersten, spannenden Ausstellung in Erfüllung.
PIArt Wöllershof eröffnet mit Werken des Künstlers Emil Schicker und seiner Familie. Schicker (1926-2018) war zeitlebens ein begeisterter und äußerst produktiver Maler und Zeichner. Gefühlt fast jedes Haus in seiner Heimatgemeinde Mähring (Landkreis Tirschenreuth) wird von einem seiner Originale geschmückt.
Geprägt von Kriegserfahrungen und verbunden mit einschneidenden familiären Verlusten versuchte er, von starker Religiosität getragen, dem Leben dennoch möglichst positiv zu begegnen. Dabei trug ihn sein kreativer Blick durch so manche seelische Erschütterung. Seine Motive fand er in der Natur und bei den Menschen seiner Umgebung. Auch seine heißgeliebte Landwirtschaft und religiöse Themen fanden Einzug in sein Werk.
Als er infolge einer beginnenden Demenz ins Seniorenheim umziehen musste, malte er nach einer kurzen Schaffenspause unbeirrt weiter, wenngleich das dementielle Erleben seinen Malstil vom bisherigen realistischen Stil zu einem eher kindlichen Ausdruck hin veränderte. Gleichzeitig erhielt er dadurch aber auch eine größere künstlerische Freiheit.
2018 ist Emil Schicker über 90-jährig verstorben und hat nicht nur eine beeindruckende Menge an Werken hinterlassen, sondern gleich mehreren seiner Nachkommen sein kreatives Talent weitergegeben: Seine Tochter Karin Achatz, seine Enkelin Eva Achatz und seine Ur-Enkelin Sophie Grüner stellen ebenfalls in Wöllershof aus.
Postulat der Hoffnung
Bei der Begrüßung der etwa 40 Gäste anlässlich der Ausstellungseröffnung am 24. September erläuterte Prof. Wittmann das PIArt-Konzept: „Bei uns sollen Künstlerinnen und Künstler Werke präsentieren können, die einen Bezug zu seelischen Krisen haben – egal ob Betroffene, Angehörige oder Menschen, die professionell mit dem Thema befasst sind.“ Das Werk Emil Schickers vereine eine Schaffensphase vor und mit einer dementiellen Erkrankung, und das sei immens spannend, so der Chefarzt.
„Diese Ausstellung, die Werke aller dieser begabten Familienmitglieder vereint, ist ein Postulat der Hoffnung – ein Zeichen dafür, dass zwischen Schwarz und Weiß alle Farben liegen und die kreative Aufarbeitung von Leid und Trauma die schönsten Blüten hervorbringen kann.“, sagte Ursula Wohlfeld vom Bezirk Oberpfalz, die die Ausstellung kuratiert. Gemeinsam mit Karin Achatz würdigte sie das Werk Emil Schickers.
Ein besonderes Highlight war eine kleine Lesung von Gerdi Specht und Harald Scholz aus ihrem Buch „Noch nicht erzählte Geschichten aus Lohhäuser und Mähring“: Die beiden Autoren präsentierten den persönlichen und künstlerischen Lebensweg Emil Schickers.
PIArt Wöllershof: Galerie der besonderen Art
Die Galerie PIArt wird unterstützt von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Nordoberpfalz (PSAG) und der Selbsthilfekontaktstelle Nordoberpfalz (Seko). Beide Organisationen richteten bei der Vernissage Grußworte an die anwesenden Gäste. Die zweite PSAG-Vorständin Sonja Dobmeier betonte die Bedeutung von Kunst in der Bemühung, psychische Erkrankungen aus dem gesellschaftlichen Schatten zu holen. Für Brigitte Lindner und Jürgen Huhn von der Seko ist Kunst nicht zuletzt ein persönliches Anliegen: „Eine Möglichkeit zum Ausdruck, wo Sprache nicht mehr ausreicht“.
Die Galerie befindet sich in HAUS 14 am medbo Bezirksklinikum Wöllershof. Die Ausstellung läuft noch bis 13. November 2026 und kann während der allgemeinen Besuchszeiten der Klinik kostenlos besichtigt werden.
Mehr zur Ausstellung und zu PIArt unter medbo.de/piart-woellershof.
Bild: (von links) Prof. Wittmann, Sonja Dobmeier, Sophie Grüner, Eva Achatz, Karin Achatz, Ursula Wohlfeld, Brigitte Lindner, Jürgen Huhn vor dem Portrait Emil Schickers. (Renate Neuhierl | medbo)