Kunst entsteht überall. Aber Kunst mit Anspruch braucht seelische Tiefe. Eine Tiefe, die auf Lebenserfahrung fußt. Und gerade schwere Krisen und psychische Erschütterungen sind eine sehr intensive Lebenserfahrung.
Wir - das Team der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) am medbo Bezirksklinikum Regensburg - schaffen mit unserer Galerie PIArt einen analogen und gleichzeitig virtuellen Raum für in diesem Sinn besondere Kunst. Einer Kunst des Lebens und manchmal auch Überlebens.
Bei uns zeigen Künstler:innen der Öffentlichkeit Werke, die einen persönlichen und/oder professionellen Bezug zu Krisen und seelischen Extremerfahrungen haben.
Denn Kunst ist eine Sprache, die auch dann noch greift, wenn Worte alleine nicht mehr ausreichen.
Die Exponate in unserer Galerie verbinden deshalb nicht nur handwerklichen und künstlerischen Anspruch – sie berühren und ermöglichen intensiven Austausch zwischen denen, die sie erschaffen haben, und denen, die sie betrachten.
Organisatorisch unterstützt wird die PIArt-Galerie von den Kunstsachverständigen des Bezirks Oberpfalz und dem Regensburger Verein Irren ist menschlich e.V.
Die PIArt-Galerie befindet sich in den Räumlichkeiten der Psychiatrischen Institutsambulanz des Bezirksklinikums Regensburg in HAUS 12. Öffnungszeiten werden auf deren Homepage aktuell gehalten. Hinweise zur Anfahrt zum und zur Lage der Gebäude am Bezirksklinikum finden Sie auf unseren Standortseiten Regensburg.
Die Ausstellung kombiniert Fotografie mit Malerei. Die Fotohelden Neumarkt präsentieren sich streng monochrom, die Künstler:innen Nathalie Beausencourt, Nils Sattler und Silke Schumann hingegen lieben es meist kunterbunt.
Fotografen und Künstler interpretieren das große Thema „psychisches Anders-Sein“, jedoch aus verschiedenen Blickwinkeln. So überwiegt bei den Fotografien der Blick von außen, während das Kollektiv vor allem seine eigenen unmittelbaren Erfahrungen mit seelischen Krisen interpretiert. Beide Seiten wollen aber eines vermitteln: Wir alle sitzen im gleichen Boot!
Nathalie Beausencourt
Sie stammt aus Wörth an der Donau und wuchs als einzige Tochter ihrer Eltern auf einer Ranch auf. “Ich habe ADHS, woraus ich kein Geheimnis mache”, sagt sie: “Es gehört zu mir wie der Sonnenstrahl nach dem Regen.” Das Malen ist mittlerweile ein Teil von ihr, ein Weg, Liebe, Leid und Frust auszudrücken: “Im Farbtaumel will ich nicht nur mit den Augen sehen! Meine Werke kommen aus dem Inneren meiner Seele. Und für jeden Menschen gilt: Die Seele und Psyche brauchen auch Nahrung. Kommt, lasst uns den Hunger stillen!”
Nils Sattler
Kunst ist ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Schon als Teenager zeichnet Nils Sattler leidenschaftlich gerne. Auf diesem Weg, so Sattler, könne er sein räumliches Denken zum Ausdruck bringen und seine Phantasie zum Leben erwecken. “Kunst schafft Zeit und Ruhe. Das Zeichnen ist ein wichtiger Teil meines Herzens. Meine Bilder sollen den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern!" Der 24-Jährige studiert derzeit in seiner Geburtsstadt Regensburg, lebt aber derzeit in Donaustauf.
Silke Schumann
Grenzerfahrungen prägen das Werk von Silke Schumann. Lange Jahre betreute sie im Krankenhaus Krebspatienten auf deren oft sehr schweren Wegen. Viele dieser - auch jungen - Menschen starben. Die Erfahrungen von damals im Grenzbereich zwischen Leben und Tod stellten auch für Silke Schumann oft eine psychische Belastung dar. Ihre Kunst speist sich nicht zuletzt aus diesem Erleben. In ihren Werken verarbeitet die Künstlerin viele dieser Eindrücke. Silke Schumann stammt aus Geiselhöring in Niederbayern, wo sie mittlerweile auch wieder ihren Lebensmittelpunkt hat.
greyAWARENESS
Die berührenden Schwarz-Weiß-Fotografien der Neumarkter Fotohelden zeigen Gesichter, Geschichten und Gefühle von Menschen mit Depression oder Burnout, die sonst oft im Verborgenen bleiben. Ehrlich, nah, ohne Beschönigung. Mit der Ausstellung will das Fotokolletiv Betroffenen eine Stimme geben, Mut machen und das Bewusstsein für psychische Erkrankungen stärken. Ziel der Fotohelden ist es, das Unsichtbare sichtbar zu machen, Vorurteile abzubauen und zu einem offenen, verständnisvollen Umgang mit Burnout und Depressionen beizutragen.
Psychische Erkrankungen können jeden Menschen treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht, Beruf oder Lebenssituation. Dennoch sind sie häufig noch immer mit Scham, Missverständnissen und Stigmatisierung verbunden.
Mit „greyAWARENESS“ wollen die Fotohelden dazu einladen, hinzusehen, zuzuhören und einen Moment inne zu halten. Die Bilder zeigen nicht nur Schmerz und Herausforderungen, sondern auch Stärke, Hoffnung und den Mut, die eigene Geschichte zu erzählen. Der Besuch der Ausstellung kann emotional sein und berührende Themen aufgreifen. Gerade deshalb wünschen sich die Fotohelden, dass die Bilder Gespräche anstoßen, Verständnis schaffen und die Ausstellung damit einen Beitrag dazu leistet, psychische Gesundheit selbstverständlicher in unsere Gesellschaft zu tragen.
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Die Ausstellung wird am 10. September 2026 um 18:00 Uhr mit einer Vernissage eröffnet, an der Interessierte kostenfrei und ohne Anmeldung teilnehmen können. Die Bilder sind dann bis einschließlich 23. Oktober 2026 in der PIArt-Galerie während der Öffnungszeiten der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) am Bezirksklinikum Regensburg - ebenfalls kostenlos - zu besichtigen.
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